Frankreich Winteraussichten

Frankreich: Winteraussichten 2020/21

März 2021: Ein- und Ausreisen verboten – steigende Impfbereitschaft – hohe Sparquote beeinträchtigt Privatkonsum – Natur, Flexibilität und Autonomie – auch Europareisen geplant – Information wichtig

Kann Frankreich weiterhin einen dritten harten Lockdown vermeiden?

Die bisherige Entscheidung der Regierungsspitze, einen dritten landesweiten harten Lockdown mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage und die soziale Belastung der Bevölkerung hinauszuzögern, hat sich bestätigt. Doch angesichts der neuen Virusmutationen und der steigenden Infektionszahlen warnen Gesundheitswissenschaftler verstärkt vor der Verschärfung der Pandemie. Besonders brisant ist die Lage an der Côte d'Azur und der nördlichsten Region Frankreichs um Dunkerque, wo ab 27. Februar 2021 härtere Einschränkungen verhängt werden. Weitere Departements könnten folgen, auch Paris. Strenge Ausgangssperren zwischen 18:00 und 06:00 Uhr sind seit 16. Dezember 2020 in ganz Frankreich in Kraft. Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind geschlossen. Nur Geschäfte für essenzielle Einkäufe und der Kleinhandel dürfen öffnen. Teleworking ist, wo immer es möglich ist, die Regel.

Seit 31. Jänner 2021 ist bei der Einreise aus anderen europäischen Ländern erstmals seit Beginn der Pandemie ein negativer PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf, verpflichtend. Rückreisende aus dem europäischen Raum haben eine 7-tägige Selbstisolation anzutreten und anschließend einen neuen PCR-Test durchzuführen. Ein- und Ausreisen in Drittstatten sind grundsätzlich verboten. Als Ausnahme gelten nur triftige Reisegründe. Die Impfkampagne hat sich beschleunigt, doch man kämpft weiterhin mit Lieferschwierigkeiten. Bisher wurden 2,5 Millionen Menschen geimpft. Die Regierung hat beschlossen, die Zweitimpfungen zu garantieren, auch wenn dadurch die Erstimpfungen verzögert werden. Die Durchimpfungsrate liegt per Ende Februar bei 3,83 %. Die bisherige Impfskepsis sinkt rasant, 60 % der Bevölkerung sind bereit, sich impfen zu lassen, Tendenz steigend. (Quelle: IFOP)

Konjunkturpaket blickt über Krise hinaus

„France Relance“, das 100-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket für drei Jahre, sowie umfassende Hilfsmaßnahmen aus dem „COVID-Schutzschirm“ retten Frankreichs Wirtschaftslage. Für das Jahr 2020 muss ein BIP-Rückgang von 8,3 % hingenommen werden. Er fällt allerdings geringer aus als ursprünglich geschätzt. Für 2021 wird ein Wirtschaftswachstum von 5 % prognostiziert.

Zu Jahresbeginn zeigt die Wirtschaftstätigkeit nach Branchen betrachtet ein gemäßigtes Bild. Einige Sektoren befinden sich beinahe im Vorkrisenbetrieb. Eine starke Nachfrage verzeichnen die Digitalbranche, der Hausausstattungs- und der Luxussektor. Andere jedoch, wie der Tourismus, die Gastronomie, die Kultur und die Luftfahrtindustrie, sind besonders stark von der Krise getroffen. Weitere Stützungen aus dem Solidaritätsfonds und die Fortsetzung der Kurzzeitarbeitsregelung wurden KMUs, der Gastronomie und dem Reisesektor bis März zugesagt bzw. sind in Verhandlung. Im Rahmen des Konjunkturprogramms „France Relance“ setzt die französische Regierung auch verstärkt auf den Ausbau der Digitalisierung und des Onlinehandels, vor allem im Hotel- und Gastronomiesektor. Angesprochen werden auch hier die KMUs.

Die Corona-Pandemie führt aufgrund der Unsicherheit in vielen Wirtschaftszweigen zu einer hohen Sparquote in den Haushalten. 2020 hat die französische Bevölkerung 130 Milliarden Euro eingespart, bis Ende 2021 200 Milliarden, so Hochrechnungen der Banque de France. Das ist das höchste jemals erreichte Niveau. Darunter leidet jedoch kurzfristig der in Frankreich traditionelle starke Privatkonsum. (Quelle: INSEE)

Der Fokus liegt auf Sommerurlaub, einem Grundbedürfnis

Sobald Reisen wieder möglich sind, da sind sich alle Experten einig, wird die Wiederbelebung rasch und stark sein, mit hohem Wettbewerb innerhalb der europäischen Destinationen. Eine breite Umfrage von „Interface Tourism France“ untermauert die sich aktuell abzeichnenden Reisetendenzen 2021.

Die drei großen Bedürfnisse für den kommenden Sommer sind: Natur, Flexibilität und Autonomie. Zu den wichtigsten Kriterien bei der Destinationswahl zählen das Angebot von Natur- und Outdoor-Aktivitäten (51 %), die Qualität der Sicherheitsstandards (41 %) und die Flexibilität der Stornobedingungen (32 %). Hohe Werte erhalten neue Begegnungen (21 %) und der Austausch mit den Gastgebern (13 %). Bei der Zielgruppe der Auslandsreisenden ist die Leistbarkeit kein Thema. So verfügen 45 % der potenziellen Urlauber über dasselbe Reisebudget wie bisher, 7 % wollen sogar mehr ausgeben, 23 % überlegen noch.

Das bevorzugte Reisemittel bleibt das Auto. Entdeckungsrundreisen liegen weiterhin stark im Trend (38 %). Aufgrund der Unsicherheiten im Hinblick auf Grenzschließungen tendieren
19 % eher zu Inlandsurlaub, 8 % wollen trotzdem in die nahe gelegenen EU-Länder reisen. Bei der Unterkunftswahl gibt es eine Präferenz für 3- bis 4-Sterne-Hotels und Ferienwohnungen. Zunehmend will man auch für Europareisen im Reisebüro buchen, um Komplikationen im Falle von notwendigen Reiseänderungen aufgrund der Pandemie vorzubeugen.

Österreich genießt ein sehr gutes Image als qualitätsvolle und sichere Reisedestination

In Frankreich genießt Österreich als Sommerurlaubsziel sowie als Kulturdestination Weltruf. Bei den auslandsreisenden französischen Gästen besteht ein großes Bedürfnis nach Urlaub und Reisen. Die Zielgruppe verfügt über eine hohe Kaufkraft, unbeeinflusst von der Pandemie. Sie ist es gewohnt, mehrere Reisen pro Jahr zu unternehmen, und verreist im Sommer meist zwei Wochen und länger. Österreich bietet alle Faktoren, welche bei der Destinationswahl für französische Gäste eine große Rolle spielen: intakte Natur und Bergwelt, qualitätsvolle Tourismusstrukturen, authentische Gastgeberqualität, moderne Infrastrukturnetze und vor allem ein hochwertiges Sicherheits- und Gesundheitsversorgungssystem.

Die Maßnahmen der österreichischen Regierung in Bezug auf COVID-19 werden in Frankreich sehr positiv gesehen. Sofern die Pandemie es zulässt, werden diesen Sommer trotz des hohen Inlandsurlaubsanteils auch Reisen innerhalb Europas tendenziell wieder stärker nachgefragt werden. Ein sehr kurzfristiges Reservierungsverhalten und der Wunsch nach flexiblen Stornobedingungen werden weiterhin wichtige Kriterien bleiben. Mehrere Reiseveranstalter haben ihre Angebote 2021 für Österreich geschärft bzw. nehmen Österreich neu in ihre Produktpalette auf. Der Städteurlaub ist stark vom Airline-Sektor abhängig. Eine progressive Erholung sieht die Branche frühestens im zweiten Quartal 2021. Air France testet ab März den ICC-AOK-Pass, eine mobile App, die es den Passagieren ermöglicht, die Ergebnisse ihres COVID-19-Tests sicher aufzuzeichnen. Passagiere können damit vor Abflug einfach kontrolliert werden, ob sie die Bestimmungen des Ziellandes erfüllen (PCR-Test, Antigen-Test, Impfung).

Inspiration und Information: Wander-, Rad-, Outdoorerlebnisse und Kulturgenuss für Familien und Paare spürbar machen

Inspiration und weiterhin Informationen über die Sicherheitsvorkehrungen bleiben wichtig. Emotional ansprechenden Content für naturnahe und sportliche Aktivitäten, wohltuende Begegnungen mit Gastgebern, lokale Lebenskultur, möglichen Kulturgenuss, Authentizität und Auszeit vom Alltag sollte man in den Vordergrund stellen. Franzosen sind sehr informationsbedürftig. Sie informieren sich oftmals bis ins kleinste Detail, und das lange im Voraus. Social Distancing und COVID-19-Regelungen sind für französische Gäste kein Hindernis. Eine ausgezeichnete Gesundheitsinfrastruktur und entsprechende COVID-19-Maßnahmen, wie sie in Österreich vorhanden sind, geben Zuversicht. Es ist wichtig, dies sichtbar zu machen. Ein aufmerksames Kontakthalten zu Stammgästen und Geschäftspartnern schafft stets hohe Sympathiewerte und Vertrauen.