Frankreich Winteraussichten

Frankreich: Winteraussichten 2020/21

November 2020: Home-Office, aber offene Schulen - zweiter Lockdown besser vorbereitet als im Frühling - Pandemie hemmt Reiseentscheidung - Fernreisen werden auch nach der Krise vorerst weniger nachgefragt werden - echte und authentische Kommunikation

Erneuter Lockdown unter Aufrechterhaltung der Wirtschaft

Regierung sowie Unternehmen setzen alles daran, die wirtschaftliche Dynamik aufrechtzuerhalten. Die zweite COVID-19-Welle erfasste auch Frankreich früher und härter als erwartet. Seit 29. Oktober befindet sich das Land in einem erneuten vierwöchigen Lockdown. Mit landesweiten Einschränkungsmaßnahmen im sozialgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben soll der Pandemiespirale ein Ende gesetzt werden. Jedoch hat man aus der ersten Welle gelernt und will trotz erneuter Eindämmung Arbeit, Bildung und  allgemeine Gesundheitsversorgung über COVID-19 hinausgehend um jeden Preis aufrechterhalten. Die Industrie und das Baugewerbe dürfen unter strengen Schutzvorkehrungen ihren Betrieb fortsetzten. Im Finanz- und Dienstleistungssektor und wo immer möglich ist Teleworking die Regel. Der öffentliche Dienst bzw. die Ämter bleiben geöffnet, der Schulbetrieb vom Kindergarten bis zur Oberstufe bleibt aufrecht. Nur die Universitäten müssen virtuell unterrichten. Alle nicht essenziellen Geschäfte des Einzelhandels sowie Restaurants, Cafés und Bars sind erneut für vier Wochen geschlossen, ebenso Kultur- und Sporteinrichtungen. Hotels dürfen nur Geschäftsreisende beherbergen. Wie schön im Frühjahr dürfen die Franzosen die Wohnung bzw. das Haus nur noch für notwendigste Erledigungen verlassen und müssen wieder Ausgangsbescheinigungen ausfüllen, wenn sie zur Arbeit oder zum Einkaufen gehen wollen. Es darf keine Familientreffen und keine Feste geben. Darüber hinaus haben die Attentate in Nizza und Conflans-Sainte-Honorine im Oktober die Franzosen zutiefst erschüttert.

Zusätzlich zum Gesundheits-Notstand, der bis zum 16. Februar 2021 verlängert werden soll, wurde in der Region Rhône-Alpes die höchste Stufe des „Plan Vigipirate“, der Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Terrorismus, ausgerufen. Während die Lockdown-Maßnahmen im März von 93 % der französischen Bevölkerung befürwortet wurden, befürworten diese bei der zweiten Welle nur noch 67 % (Les Echos, Umfrage Elabe vom 31. Oktober). Dennoch reagiert die Bevölkerung resilient und verantwortungsbewusst, obwohl diese zweite Lockdown-Periode vielen Menschen schwerer fällt. Das große Gesamtziel ist, Weihnachten im möglichst normalen Umfeld erleben und feiern zu können, und zwar ohne allzu große Einschränkungen.

Konjunkturpaket blickt über Krise hinaus

„France Relance“, das 100-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket, sowie umfassende Hilfsmaßnahmen aus dem „COVID-Schutzschirm“ retten Frankreichs Wirtschaftslage. Einige Branchen befinden sich beinahe wieder im Vorkrisenbetrieb. Andere jedoch, wie der Tourismus und die Gastronomie sowie auch die Luftfahrtindustrie, werden besonders stark von der Krise getroffen. Trotz der Ernsthaftigkeit der Lage für viele Firmen ist die Wirtschaft auf die erneuten Einschränkungen und den zweiten Lockdown besser vorbereitet als im Frühjahr. Weitere Stützungen aus dem Solidaritätsfonds und die Fortsetzung der Kurzzeitarbeitsregelung bis Jahresende sollen KMUs und die Gastronomie über die Runden helfen. Das Statistikamt INSEE erwartet im vierten Quartal eine Verminderung des BIP von circa 4 % und im Gesamtjahr für 2020 einen Rückgang von 9 %. Die weitere Entwicklung 2020 und 2021 hängt auch wesentlich vom traditionell starken Privatkonsum ab. Ziel ist es, das Wirtschaftswachstum bis 2022 wieder auf das Niveau von vor der Corona-Krise zu bringen.

Reisebarometer – Pandemieentwicklung entscheidet

Das Bedürfnis nach Urlaub und Auszeit in einer erholsamen Umgebung fern vom Alltag wird durch die zweite Lockdown-Phase verstärkt. Gepaart ist dieses Bedürfnis mit dem Wunsch, eine möglichst unbeschwerte Zeit verbringen zu können. Die Befürchtung von Komplikationen aufgrund der Pandemie-Entwicklung hemmt die finale Reiseentscheidung. Der im Sommer bewiesene Trend hin zur Natur und zu alpinen Lebensräumen setzt sich fort. Insbesondere im Segment der Gäste, die sonst in exotische Ferndestinationen reisen, werden große Chancen für Winterurlaub in qualitätsvollen Hotels geortet. Alpiner Skisport und Wintererholungsurlaube werden weiterhin die Hauptmotivation für französische Winterurlauber sein. Französische Auslandsreisende verfügen über einen hohen Lebensstandard und sind wirtschaftlich sehr krisenresistent.

Die französische Reisebranche arbeitet daran, ihre Programme für das Jahresende und die Wintersaison aufrechtzuerhalten. Jedoch besteht kundenseitig aktuell ein noch nie dagewesenes Abwarten. Für diesen Winter ist mit einem extrem kurzfristigen Buchungsverhalten nahe am Reisezeitpunkt zu rechnen. Schlussendlich wird alles davon abhängen, wie sich das Reisen und die Reisedestination in Bezug auf die Pandemie entwickeln. Die Nachfrage nach Städtetourismus, die ansonsten für die Adventzeit bis über Silvester hinaus sehr hoch ist, leidet extrem. Einige Reiseveranstalter schärfen ihr Angebot für Österreich bzw. nehmen Österreich neu in ihre Produktpalette auf. Social Distancing und COVID-19-Regelungen sind für französische Gäste keine Hindernisse für Auslandsurlaubsreisen in qualitätsvolle Destinationen. Eine ausgezeichnete Gesundheitsinfrastruktur und entsprechende COVID-Maßnahmen, wie sie in Österreich vorhanden sind, schaffen Vertrauen. 

Image intakte Natur, Vertrauen in die Infra- und Sicherheitsstruktur Österreichs

Österreich genießt ein sehr gutes Image bezüglich seiner intakten Natur, seiner Bergwelt, seiner qualitätsvollen Tourismusstrukturen und authentischen Gastgeberqualität sowie seines modernen Infrastrukturnetzes und hochwertigen Sicherheitssystems. Die Pandemie verändert die Destinationswahl, wobei diese Faktoren zunehmend eine wichtige Rolle spielen. Sie öffnen auch die Chance für neue Zielgruppen-Potenziale. Die Zielgruppe, die in nächster Zeit keine exotischen Reisen unternehmen kann, vergrößert das Potenzial. Österreich liegt in der Nähe und genießt in Frankreich ein sehr gutes Image. Insbesondere Gäste, welche bereits einen Urlaub in Österreich verbracht haben, sind sehr positive Multiplikatoren in ihren Netzwerken. Die Maßnahmen der österreichischen Regierung in Bezug auf COVID-19 werden in Frankreich positiv aufgenommen. Österreich genießt als Winterurlaubsland und Kulturdestination Weltruf.

Gäste aus Frankreich schätzen das österreichische Angebot. Die moderne Infrastruktur der Freizeitaktivitäten und das Beherbergungs- und Gastronomieangebot lassen keine Wünsche offen. Franzosen schätzen den Kontakt zu den Gastgebern und den authentischen Touch von lokalem Kulturgenuss. Besonders aufmerksam sind sie bei Naturprodukten und beim achtsamen Umgang mit der Umwelt. Das Segment der Fernreisenden und jenes der Reisen, die mit einer hohen Konzentration von Menschen (Kreuzfahrten, Riesen-Festivals) verbunden sind, werden signifikant rückgängig sein. Dies birgt große Chancen für Österreich in den nächsten zwei Jahren.

Lust machen, genaue Informationen

Im Vordergrund sollten die Inspiration und die Lust auf einen entspannten Winterurlaub mit emotional ansprechendem Content stehen. Sehr wichtig ist es dabei, echt und authentisch zu bleiben. Kommuniziert werden sollen naturnahe und sportliche Aktivitäten, wohltuende Begegnungen mit Gastgebern und flexible Reservierungsmodalitäten. Die Französen wünschen sich Informationen über Aktivitäten, welche möglich sein werden und welche dieses Jahr anders gestaltet werden müssen. Überaus wichtig sind weiterhin Informationen über die weitreichenden Sicherheitsvorkehrungen. Ein aufmerksames Kontakthalten zu Stammgästen und Geschäftspartnern schafft hohe Sympathiewerte und Vertrauen.