China Winteraussichten

China: Winteraussichten 2020/21

November 2020: Kaum Neuinfektionen - Abschottung - Wirtschaftswachstum auf niedrigem Niveau - Inlandsurlaub - Auslandsreisen nicht möglich, aber Sehnsucht danach - Kontakt halten

China ist stolz

Nahezu unverändert ist die Situation in China in den letzten Wochen: Es gibt kaum Neuinfektionen. Wenn vereinzelt welche entdeckt werden, kommt es zu Massentestungen und zu Absperrungen von Bezirken bzw. ganzen Städten. Die Menschen gehen mehr oder weniger ihrem gewohnten Alltag nach. Allerdings sitzt vielen Menschen nach wie vor die Angst vor dem Virus im Nacken, gerade in Bezug auf den sprunghaften Anstieg der Infizierten in Europa. Man ist sichtlich stolz darauf, dass China das Virus bis dato „besiegt“ hat. Sorgenvoll blickt man auf den Rest der Welt. China schottet sich gegenüber dem Ausland weiterhin ab. Erleichterungen sind in absehbarer Zeit keine zu erwarten. Sogenannte Businesskorridore werden mit anderen asiatischen Ländern ins Auge gefasst, die das Virus bereits gut unter Kontrolle bringen konnten, um so die wirtschaftlichen Beziehungen aufrechtzuerhalten. Dass das Reisen innerhalb des Landes sehr populär ist, hat Anfang Oktober die sogenannte „Golden Week“ gezeigt, als Hunderte Millionen Chinesen innerhalb Chinas unterwegs waren. Das Reisevolumen erreichte rund 80 % des Volumens aus dem Jahr 2019.

Fokus auf den Binnenmarkt

Die chinesische Wirtschaft hat beinahe wieder volle Fahrt aufgenommen. Das Wirtschaftswachstum erreichte im dritten Quartal beinahe 5 %. Aufs Jahr gerechnet erwarten Experten ein Plus von circa 2 %. China setzt verstärkt auf das Binnenwachstum und fokussiert seine Anstrengungen auf Branchen, die von vitalem Interesse sind, wie z. B. die Halbleiter- und Chip-Industrie. Trotz des makroökonomischen Wachstums zeigt das Alltagsbild mancherorts Pleiten von Geschäften und Restaurants. Über Arbeitslosenzahlen wird nur gemunkelt. Staat und Partei setzen durch Infrastrukturpakete auf ein Stimulieren der Wirtschaft.

Inlandsurlaub: Boom

Unverändert können und wollen Chinesen momentan nur im Inland reisen. Bei den Wunschdestinationen gibt es kaum Änderungen: Yunnan, Hainan, die großen Städte und Klassiker dominieren. Auffallend sind vermehrt Entdeckungsreisen innerhalb des Landes mit dem (Miet-)Auto. Viele gewinnen momentan dem „Quasi-Ausreiseverbot“ Positives ab und wollen ihr eigenes Land bereisen, und zwar auch aus patriotischen Gründen. Vermehrt hört man wieder, dass von den Behörden aktuell keine Reisepässe ausgestellt werden. Die Ausstellung von Reisepässen ist offiziell zwar nicht verboten, doch „empfehlen“ die Beamten, im Moment auf die Beantragung von Pässen zu verzichten. Der Wintertourismus wird sicherlich auch in den zahlreichen chinesischen Ski- und Wintersportgebieten wieder boomen, allerdings gibt es noch keine validen Daten dazu, da sehr kurzfristig gebucht wird.

Auslandsreisen de facto unmöglich

Im Moment ist man gegenüber Auslandsreisen im Allgemeinen sehr skeptisch eingestellt. Die Angst, das Virus im Ausland zu bekommen bzw. das Virus nach China einzuschleppen, ist sehr groß. Zudem ist eine Auslandsreise aufgrund verschiedener Reisehemmnisse im Moment de facto nicht möglich. Daher kann auch kein spezifisches Interesse an Reisen nach Österreich festgestellt werden.
Durch Aktivitäten in den sozialen Medien merken wir allerdings, dass Österreich vor allem im kulturellen Bereich (Stichwort klassische Musik) sehr hoch im Kurs steht. Ähnlich großes Interesse bringen die User – in unseren Augen – teils kitschigen Naturbeiträgen entgegen. In diversen Umfragen und Ranglisten, wohin Chinesen nach dem Ende der Pandemie gerne wieder reisen würden, liegt Österreich im vorderen Feld bei den kleineren und mittleren Destinationen (große Destinationen sind z. B. Frankreich, Italien und Deutschland). Das gilt gleichermaßen für das Kultur- wie auch das Outdoorsegment. Die chinesische Öffentlichkeit beobachtet die Entwicklung des Virus in Europa sehr genau. War man zu Beginn noch von Österreichs Krisenmanagement beeindruckt, blickt man im Moment mit etwas Sorge auf die aktuelle Entwicklung.

Kommunikation: Kontakt halten

Österreich wird weiterhin auf seine Stärke setzen, nämlich auf die Kultur inklusive ihrer Ausprägungen. Im Zuge der Pandemie haben Natur und leichte Bewegung in der Natur an Bedeutung gewonnen. Die von Österreich zur Bekämpfung der Pandemie durchgeführten Maßnahmen werden für chinesische Reisende von Interesse sein. Generell geht es zurzeit darum, Kontakt zu den Multiplikatoren zu halten und inspirierende und mutmachende Botschaften an die Freunde Österreichs zu senden.