Deutschland Winteraussichten

Deutschland: Winteraussichten 2020/21

September 2020: Zweite Welle angekommen - leichter Wirtschaftsaufschwung - Winterskiurlaub und Wintererholungsurlaub - Risiko Après-Ski - vertrauensbildende Kommunikation

Sorgloserer Umgang

In den vergangenen Wochen ist ein Zuwachs der Fallzahlen in vielen Bundesländern zu beobachten und die Dynamik nimmt weiter zu. Laut der Einschätzung des Ärzteverbandes „Marburger Bund“ hat die zweite Corona-Welle Deutschland bereits erfasst. Es infizieren sich vermehrt jüngere Personen. Bundesweit gibt es eine große Anzahl kleinerer Ausbruchsgeschehen, unter anderem ausgelöst durch Infektionen bei größeren Feiern im Familien- bzw. Freundeskreis, bei Freizeitaktivitäten, an Arbeitsplätzen, in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen. Lockerungen der Corona-Maßnahmen sind in Deutschland aktuell nicht Sicht.

Einen großen Anteil an den COVID-19-Fällen haben Reiserückkehrer. Seit 8. August gilt eine Corona-Testpflicht: Wer aus einem Risikogebiet einreist, muss sich nach der Einreise innerhalb von 72 Stunden kostenlos testen lassen (z. B. am Flughafen) oder einen negativen Test aus dem Herkunftsland vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Etliche Gesundheitsminister der Bundesländer wollen diese Testpflicht wieder abschaffen und die Rückkehrer stattdessen in Quarantäne schicken.

Besondere Aufmerksamkeit liegt auf dem Start der Schulen im Herbst.

Die niedrige Zahl an Infektionen der letzten Wochen führte in der Bevölkerung zu einem sorgloseren Umgang mit den Corona-Schutzmaßnahmen.

Immer mehr populistische Gruppen (Rechts- und Linksextreme, Verschwörungstheoretiker etc.) nutzen das Thema, um Aufmerksamkeit in den Medien zu erzeugen.

Wirtschaftliche Entwicklung

Nach einem Einbruch im April geht es nun wieder aufwärts. Erst ab dem dritten Quartal werden jedoch wieder positive Raten beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu verzeichnen sein.

Lockerungen der COVID-19-Maßnahmen innerhalb und außerhalb Deutschlands lassen die Nachfrage und auch das Angebot in allen Branchen wieder steigen. Die deutsche Wirtschaft erholt sich, die Kapazitäten sind jedoch noch nicht ausgelastet.

Die COVID-19-bedingte Belastung nimmt auch am Arbeitsmarkt weiter ab. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit schwächte sich in den letzten Monaten ab. Die Koalition einigte sich auf eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes von 12 auf 24 Monate bis Ende Dezember 2021.

Erholungsurlaub im Schnee?

Laut der Sondererhebung „Corona-Krise“ der Deutschen Reiseanalyse 2020 ist die Urlaubslust für das restliche Jahr 2020 bei 48 % der Bevölkerung (deutschsprachig, 14–75 Jahre) vorhanden. Für 60 % ist eine Urlaubsreise im restlichen Jahr 2020 finanziell und für 64 % zeitlich möglich.

Für den Erholungsurlaub im Schnee ist das Interesse neuerlich gestiegen, der Anteil der Entschlossenen und auch der Erfahrenen stagniert jedoch bzw. zeigt sogar eine rückläufige Tendenz. Das prinzipielle Interesse ist also vorhanden, die Realisierung ist aber von aktueller Urlaubslust und passenden Angeboten abhängig.

Aktuell ist wieder eine leicht steigende Tendenz beim Wintersporturlaub zu beobachten. Dies gilt insbesondere für das Volumen der Entschlossenen, die in den nächsten drei Jahren „ziemlich sicher“ Wintersporturlaub planen.

Das Interesse an Wintersporturlaub ist im Zeitraum 2012–2020 von 10,4 Mio. Interessenten auf 7,4 Mio. gesunken. Das Volumen der Erfahrenen ist von 4,4 Mio. auf 3,7 Mio. zurückgegangen. Erholungsurlaub im Schnee ist für 8,4 Mio. Personen interessant. Damit gibt es zurzeit mehr Interessenten für Wintererholung im Schnee als für Winteraktivurlaub. Was die Realisierung angeht, liegt der Wintererholungsurlaub mit einer Million Erfahrenen aber deutlich hinter dem Wintersporturlaub mit 3,8 Mio.

Wie überall sind dieses Jahr kurzfristige Buchungen und Stornierungen bzw. Änderungen zu erwarten.

Einstellung zu Reisen in Österreich

Das Image Österreichs als Urlaubsland hat sich nicht verändert. Zeitweise geraten einzelne Regionen in Kritik. Après-Ski ist als Risiko in den Köpfen verankert.

Zu möglichen Änderungen des Urlaubsverhaltens in diesem Winter gibt Christian Brand von SnowTrex (Europas Nummer eins für Skireisen) Auskunft: „Es besteht eine sehr große Unsicherheit, ob und wie Skiurlaub in der kommenden Saison möglich sein wird; wir hoffen nun auf gute Konzepte und viel Schnee, sodass viele Buchungen kurzfristig eingehen. Ein transparentes Hygienekonzept ohne zu große Einschränkungen für die Gäste, attraktive Preisangebote bzw. kostengünstige Aktivitäten vor Ort (bspw. ab einem Aufenthalt von x Tagen ist der Besuch der Therme xy um x Prozent reduziert) wären notwendig.“

Kommunikationsempfehlungen

Bei der Kommunikation kommt es diesen Winter besonders auf klare Verantwortlichkeiten an: Wer kommuniziert wann was an wen. Durch eine Abstimmung innerhalb der Branche und eine Übersicht über die Maßnahmen sollen widersprüchliche Informationen vermieden werden.

Teil einer vertrauensbildenden Kommunikation ist es, über die Entwicklung der Situation selbst auf dem Laufenden bleiben und die potenziellen Gäste dementsprechend zu informieren (Sicherheit vor Ort, aktuelle Schutzmaßnahmen, was wird empfohlen, wovon wird abgeraten). Zusätzlich zur empathischen und sachlichen Kommunikation, die schnell erfolgen soll, sollte man Perspektiven bieten (weniger Image, mehr Information).

Vorausschauend ist es, Antworten auf die Fragen von morgen zu finden und Pressestatements schon entsprechend vorzubereiten. Formulierungen wie „nach aktuellem Kenntnisstand“ etc. werden sich ebenso wie das Anführen von Expertenmeinungen nicht vermeiden lassen.

Zu guter Letzt gilt es aber immer noch, Sehnsüchte zu wecken: Berg- und Naturerlebnisse, Freiheit – und das alles in einem sicheren Umfeld.