Arabische Länder Winteraussichten

Arabische Länder: Winteraussichten 2020/21

September 2020: Teilweise wieder Tourismus möglich - BIP-Rückgänge - Gegenmaßnahmen - Winterreisen durchaus Thema - positives Bild von Ö - Kontakt halten zu Multiplikatoren

Unterschiedliche Regelungen

In den Golfstaaten ist die Zahl der COVID-19-Fälle in den letzten Wochen sehr stark zurückgegangen, besonders in den am stärksten betroffenen Ländern Saudi-Arabien und Katar. Die Angst vor einer zweiten Welle existiert jedoch auch in den Golfstaaten. Wie auch in anderen Ländern wird der kurzfristige Anstieg der Fallzahlen intensiv in den Medien diskutiert.

Die Lage ist unter Kontrolle und das tägliche Leben ist bis auf das Tragen von Masken in fast allen Ländern wieder mit der Zeit vor COVID-19 vergleichbar. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sind alle Geschäfte, Restaurants, Freizeiteinrichtungen etc. wieder geöffnet. Die Schulen begannen am 30. August wieder mit dem Unterricht – im Normalfall mit ca. 80 Prozent Anwesenheitsunterricht.

Was das Reisen betrifft, ist dies im Emirat Dubai bei Vorlage eines negativen COVID-19-Tests bei der Ein- und der Ausreise unbeschränkt möglich – es ist auch keine Quarantäne zu absolvieren. Die anderen Emirate in den VAE unterliegen teilweise strengeren Regeln (auch was das Reisen zwischen den Emiraten betrifft). Aus Saudi-Arabien und dem Oman ist weiterhin kein internationales Reisen möglich, aus Bahrain, Kuwait und Katar mit Einschränkungen, d. h., eine 7- bis 14-tägige Heimquarantäne ist notwendig. In Dubai macht sich ein erstes Wiederaufkommen des Tourismus bemerkbar. Zum einen sind viele Expats im Land geblieben und nutzen die Wochenenden für „Staycations“, zum anderen kommen durch die aufgehobenen Einreisebeschränkungen wieder Touristen (bevorzugt aus Großbritannien) ins Land.

Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung

Weiterhin muss zwischen der wirtschaftlichen Lage der Expats und der lokalen Bevölkerung unterschieden werden. In den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar beträgt der Anteil der lokalen Bevölkerung zwischen 12 und 28 Prozent. In Saudi-Arabien jedoch liegt die Zahl der Einheimischen bei fast 70 Prozent. Hier ist also auch die lokale Bevölkerung stärker von Themen wie Arbeitslosigkeit, gekürzten Förderungen etc. betroffen. In den VAE ist für 2020 ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,5 % prognostiziert. In Saudi-Arabien wird mit einem BIP-Rückgang von bis zu 5 % gerechnet. Die Ölpreis-Lage, die schwierige Situation der internationalen Fluglinien und der fehlende Tourismus setzen den Ländern besonders zu. Gleichzeitig sind die staatlichen Finanzreserven aller Länder extrem hoch. Das heißt, die lokale Bevölkerung und lokale Unternehmer werden in den Golfstaaten stark unterstützt, während Expats und ausländische Investoren kaum staatliche Hilfe bekommen. Es wird in Kauf genommen, dass diese in ihre Heimat zurückgehen bzw. dass Unternehmen abwandern.

Um die Staatseinnahmen zu erhöhen, wurde in Saudi-Arabien die Mehrwertsteuer von 5 auf 15 Prozent angehoben. In den VAE wurden die Steuerabgaben für die Hotellerie und Gastronomie bis zum Jahresende reduziert, um die Branche zu unterstützen. Aufgrund der starken Abhängigkeit von Importen soll vor allem in den VAE in Zukunft vermehrt in Eigenproduktionen, insbesondere in der Lebensmittelindustrie, investiert werden. Das Friedensabkommen der VAE mit Israel, über welches weltweit in den Medien berichtet wird, hat auch zum Ziel, die gegenseitige Wirtschaft zu stärken und die Region als Ganzes politisch und wirtschaftlich stabiler zu machen.

Potenzial für Winterreisen, sobald wieder möglich

Generell gibt es ein Bedürfnis nach Urlaub und danach, das Land verlassen zu dürfen. In Saudi-Arabien und im Oman ist dies weiterhin nicht möglich. In Bahrain, Kuwait und Katar mit Einschränkungen (Quarantäne nach Rückkehr). Nur in den VAE ist die Möglichkeit zu verreisen relativ gut. Es ist z. B. im Emirat Dubai bei Vorlage eines negativen Tests keine Quarantäne nach der Rückkehr nötig. Gleichzeitig besteht aufgrund der Einreisebeschränkungen nach Europa sowie in viele andere Staaten kaum die Möglichkeit zu reisen. Das heißt, sobald die Zielgruppe wieder reisen darf, wird sie dies auch machen.

Gerade in einer so mobilen Region wie den Golfstaaten zählt das Reisen noch mehr zum Alltag der Menschen als in anderen Teilen der Welt. Ein explizites Bedürfnis nach Winterdestinationen bzw. Wintersport gibt es sicherlich nur bei einem kleinen Teil der Zielgruppe. Gleichzeitig zeigte sich in den letzten Wintersaisonen ein verstärktes Interesse der lokalen Bevölkerungen, Österreich zu „untypischen“ Zeiten zu besuchen. Zudem gilt Österreich als sicheres Land in Bezug auf COVID-19. Sollte also Reisen wieder erlaubt sein, besteht ein Potenzial auch für die Wintersaison.

Österreich punktet u.a. mit Sicherheit

Das Österreich-Bild in den Golfstaaten war immer positiv. Das ist so geblieben. Hinzugekommen ist, dass Österreich, was den Umgang mit COVID-19 betrifft, als eines der Vorzeigeländer gilt (neben Deutschland und der Schweiz). Sicherheit wird eine größere Rolle beim Reisen spielen, hier kann Österreich punkten.

Kommunikation: Kontakt halten

Derzeit gilt es, Kontakt zu den Multiplikatoren (Reisebranche, Journalisten, Airlines etc.) zu halten und so das positive Bild des Urlaubslandes Österreich ebenso wie das Bild als COVID-19-Vorzeigeland zu verstärken. Auf Social Media sind sowohl die Sicherheitsthematik als auch die Erzeugung eines positiven Sentiments für die Zeit, in der das Reisen wieder möglich sein wird, wichtig.