USA Mood Monitoring

USA: Mood Monitoring

Mitte Mai 2020: Kluft: Befürworter und Gegner des schnellen Hochfahrens - Digitalisierungsboom - Diskussion um psychische Auswirkungen - Aufzeigen der Unterschiede - Sicherheit und echte Menschen sind gefragt

Lockerungen in unterschiedlicher Geschwindigkeit

Landesweit kommt es zu Lockerungen der umfangreichen Einschränkungen, in unterschiedlichem Ausmaß und Geschwindigkeit. Dabei wird die Kluft zwischen den Befürwortern einer raschen Öffnung der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens sowie jenen Kräften, die eine vorsichtige, stufenweise Öffnung bevorzugen, merkbar größer. Dies ist stark von politischer Ideologie  beeinflusst und geschieht vor dem Hintergrund des bevorstehenden Wahlkampfes. Insgesamt ist die Mehrheit der US Bürger für einen behutsamen Weg zurück. Die Sorge um langfristige wirtschaftliche Auswirkungen erhöht sich allgemein.

Datennutzung weiterhin enorm hoch

Weiterhin ist die Nutzung digitaler Netzwerke und Kommunikationsformen extrem hoch. Der Reiz des Neuen dabei ist jedoch eindeutig vorbei. Der Wunsch nach analogen Erlebnissen und einem persönlichen Miteinander ist allseits spürbar. Speziell Ausflüge in die Natur und an der frischen Luft werden herbeigesehnt. Die Wiedereröffnung öffentlicher Strände wird dabei zum Sinnbild dieses Wunsches.

Verstärkt werden auch Themen, wie negative psychische Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen diskutiert. Die unterschiedlichen Zugänge und persönlichen Einstellungen zu den umfangreichen Einschränkungen führen mitunter auch zu Spannungen, zunehmend politischer Natur.

Re-Evaluierung der Systeme

Der Fokus wird, zumindest in der ersten Phase nach Corona, sicherlich auf Familie und einem engeren Bekannten- und Freundeskreis sein. Das Aufleben der Wirtschaft in der eigenen Nachbarschaft, Stadt, Region steht im Vordergrund. Für Millionen Amerikaner sind die krassen Unterschiede im turbo-kapitalistischen System des Landes nochmals verstärkt sichtbar geworden. Beispielhaft die hohe Zahl von Menschen, die man als Teil der Mittelschicht wähnte und die nunmehr aufgrund der Lage Essenshilfe in Anspruch nehmen. Es beginnt eine Re-Evaluierung von Leistung und Belohnung. Die ohnehin weithin bekannten strukturellen Unzulänglichkeiten des Wirtschaftssystems werden momentan schonungslos aufgezeigt. Somit ergibt sich auch eine Veränderung der politischen Diskussion. Direkte, finanzielle Zuschüsse in Milliardenhöhe für die Mehrheit der Bevölkerung wurden in wenigen Stunden von beiden großen politischen Parteien beschlossen. Die Epidemie platzte auch mitten in die seit Jahren laufende Diskussion um die Struktur des Gesundheitssystems. Es ist aus derzeitiger Sicht fast undenkbar, dass es hier nicht zu einer Ausweitung der öffentlichen Versorgung kommt, wenngleich nicht unbedingt einer Abkehr von privaten Versicherungsleistungen. Denkbar ist auch eine Re-Evaluierung des großstädtischen Lebens. New York mit seiner immensen Dichte wurde zum weltweiten Zentrum der Epidemie. Zigtausende New Yorker, die kurzfristig fliehen konnten, taten dies und zogen sich in Wochenendhäuser am Land oder bei Familien in den Vororten zurück. Manche hinterfragen eine Rückkehr. Öffentliche Verkehrsmittel wurden zum Gefahrenherd, das eigene Auto plötzlich wieder zur Sicherheitszone.

USA wollen unabhängiger werden, aber Globalisierung steht nicht zur Diskussion

Die Abhängigkeit, speziell von China, in der Produktions- und Wertschöpfungskette vieler Güter und Waren wird nicht nur erkannt, sondern auch politisch bewusst thematisiert. Amerika muss wieder unabhängiger werden, lautet vielfach die Erkenntnis. Diese Botschaft erinnert an die Situation vor wenigen Jahren, als die Abhängigkeit von Öl- und Energielieferungen aus dem Ausland zu massiven Investitionen in die Schiefer-Energiegewinnung führte. Diese Erkenntnis ist jedoch nicht gepaart mit einer grundsätzlichen, großen Anti-Globalisierungswelle. Ebenso wenig ist eine grundsätzliche Veränderung der positiven Einstellung zum Reisen zu beobachten. Im Gegenteil, es entsteht eine massive, unerfüllbare Nachfrage an Urlaubsreisen. Diese zu erfüllen wird jedoch mehrere Jahre dauern. Ebenso ist zu erwarten, dass es zu einem bewussteren Reisen kommt, weniger berufliche Reisen zu Conventions und Meetings, weniger Freizeitreisen mit dem Flugzeug oder Kreuzfahrten. Aber gleichzeitig steigt der Wert, eine besondere Reise zu unternehmen. Viele Menschen werden erst langsam wieder das Gefühl der Sicherheit erlangen, um in ein Flugzeug zu steigen. Andere werden auch aufgrund der wirtschaftlichen Nachwehen beim Reisen kürzer treten. Österreichs Image hat insgesamt sicher keinen Schaden genommen, im Gegenteil. Die Probleme rund um Ischgl wurden zwar wahrgenommen, stärker in der medialen Wahrnehmung war jedoch eine bislang kompetente, erfolgreiche Reaktion auf die Herausforderung. Das Image Österreichs als sauberes, sicheres Land wurde eher bestärkt.

Europareisen bleiben erstrebenswert

Die Sehnsucht nach Reisen in unserer Zielgruppe ist weiterhin hoch, wobei Europa als Zieldestination bei Fernreisen ganz oben steht. Gebremst wird die Reiselust jedoch nicht nur durch die tatsächlichen Einschränkungen, sondern speziell auch durch die Sorge um die eigene Gesundheit und den erwarteten Unannehmlichkeiten bei Flugreisen. Es wird einige Zeit dauern, bis ein Gefühl der Sicherheit beim Fliegen wieder erreicht wird. Österreich wird als eines jener Länder wahrgenommen, die es gut und kompetent durch die erste Welle der Pandemie geschafft haben.

Ehrliche Bilder, echte Menschen

Das Luxus-Segment und Einzelreisende werden die Ersten sein, die wieder kommen. Sauberkeit, Hygienemaßnahmen, Sicherheit stehen auch hier im Vordergrund. Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen werden in allen Bereichen der Beherbergung, Gastronomie und Freizeitwirtschaft eingefordert. Amerikanische Reisende möchten nicht nur darüber informiert werden, sie wollen dies auch sehen. Bilder dieser Maßnahmen helfen in der Kommunikation. Die künstlichen Bildwelten der Influencer-Szene sind out, gefragt sind ehrliche Bilder, die echte Menschen zeigen. Weg von der Inszenierung, hin zur Ehrlichkeit lautet die Devise in der Kommunikation. Völlig deplatziert sind natürlich derzeit Bilder großer Menschenansammlungen; Massentourismus erzeugt Unbehagen, individuelle Erlebnisse werden zumindest für einige Zeit im Vordergrund stehen.


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