Spanien Mood Monitoring

Spanien: Mood Monitoring

Mitte Mai 2020: Vierphasenplan in die "Neue" Normalität - gegenseitige Motivation - Kommunikation erfolgt vielfach online - Abstand zur Familie schwierig - Freundlichkeit bleibt - Wunsch nach Verreisen besteht - 20 % wollen ins Ausland - Österreich wird vertraut - Urlaub fern der Massen

4 Phasen bis zur "Normalität"

Spanien hat endlich die Deeskalation eingeleitet. Diese ist in vier Phasen (0-3) hin zur „neuen“ Normalität gegliedert. In der Phase 0, in der sich noch unter anderem Madrid und Barcelona befinden, gilt noch die allgemeine Ausgangssperre, Homeoffice, geschlossene Geschäfte, keine Gastronomie und Hotellerie. Der Großteil des Landes befindet sich jedoch schon in der Phase 1, in der Terrassen der Restaurants und Bars mit einer reduzierten Anzahl von Gästen erlaubt ist. Kleinere Geschäfte dürfen auch offen sein. Die Entscheidung der Regierung, die stark betroffene Region Madrid nach wie vor in Phase 0 zu halten, empört die Bevölkerung von Madrid. Sie vermutet eine politische Querele zwischen der Zentralregierung und der autonomen Regierung von Madrid. Proteste auf den Straßen finden täglich statt. Die Regierung wird stark für die schleppenden Lösungen und die unklaren Entscheidungen kritisiert. Die Ankündigung der Regierung über die Verlängerung des Notstandes (gilt momentan bis 23.Mai) um ein Monat, führt auch zu Protesten seitens der Tourismusindustrie. Auf einer Seite ist man in Spanien über die günstige Abflachung der Epidemie froh, auf der anderen Seite ist die Sorge um die Existenz sehr groß. Eine Eskalation der Proteste ist zu befürchten. Der Plan der Regierung, bis Anfang Juli in der „neuen“ Normalität angekommen zu sein, ist für einige Teile des Landes nicht mehr in Aussicht. Wahrscheinlich wird sich die Deeskalation bis weit in den Juli (Barcelona, Madrid) hineinziehen.

Gemeinsames Lesen in Live-Foren

Homeoffice, Viber, WhatsApp, Signal, Facebook, Instagram usw. spielen jetzt eine zentrale Rolle. Da die Spanier allgemein sehr kommunikative Menschen sind, ist die Entfernung zueinander eine der schwierigsten „Strafen“ in der Bekämpfung der Epidemie. Händeschütteln, Umarmungen und Bussis werden durch Gesichtsmasken, Handschuhe und Desinfektionsgel ersetzt. Erstaunlich ist, wie schnell eine, sonst sehr mit Körperkontakten und Berührungen sozialisierte Gesellschaft auf Distanz gehen kann. Neben den elektronischen Medien kommen auch Bücher wieder in Mode. Man liest mehr, das aber auch gemeinsam in diversen Live-Foren.

Wertehaltung der Spanier bleibt trotz Extremsituation

Die Hilfsbereitschaft der Spanier kommt in dieser Krise voll zur Geltung. Spenden, Besorgungen für Bedürftige, Achtsamkeit gegenüber den Nachbarn sind im Alltag noch stärker präsent. Der aufgezwungene Abstand zur Familie bereitet den Spaniern große Schwierigkeiten und verlangt eine radikale Umstellung der Kommunikation. Leider gibt es auch Negativbeispiele, bei denen Ärzte und Krankenschwestern nicht mehr in ihre Wohngemeinschaften durften, da sich die Nachbarn vor einer möglichen Ansteckung fürchteten. Dennoch bleiben im Großen und Ganzen die Basiswerte die gleichen: Freundlich, hilfsbereit, achtsam.

Reisewille der Spanier ist ungebrochen

Eine kürzlich (24-27 April 2020) durchgeführte Studie bestätigt den nach wie vor bestehenden Reisewillen der Spanier. Über 80 % der Befragten beantworteten die Frage nach Reiselust mit „sehr stark“. Lediglich 8 % sagten eindeutig „Nein“ zum Reisen. 69 % planen Urlaube mit gleicher oder sogar mit längerer Dauer. Natürlich stehen Inlandsreisen an erster Stelle, aber immerhin 20 % der Befragten präferieren einen Urlaub im Ausland. Die Reisenden haben eine sehr positive Meinung von Österreich. Österreich gilt als sicher und wertvoll. Dies wird durch tägliche Reaktionen in Social Media bestätigt.

...aber dann im Herbst/Winter

Österreich wird als positives Beispiel bei der Bekämpfung der Epidemie in den Medien erwähnt. Diese Meldungen verstärken das Vertrauen in Österreich, Es ist klar, dass im Sommer 2020 Österreich nicht als wichtige Destination betrachtet wird, aber die Anfragen für Herbst und Winter lassen hoffen (abhängig auch von der Wiederaufnahme der Flugverbindungen).

Massentourismus ade

Eine aktuelle Studie nennt drei Hauptkriterien bei der Auswahl der Destination. Auf einer Skala von 1 (nicht wichtig) bis 5 (sehr wichtig) stehen:

  • Destinationen fern von Menschenmassen (4,1 Punkte)
  • Allgemeine Attraktion der Destination (4,09 Punkte)
  • Sicherheit und Hygiene (4 Punkte)

Überfüllte Ziele oder diejenigen, bei denen die gesundheitlichen Bedingungen in Frage gestellt werden, haben keine Chancen bei den Reisenden aus Spanien. Der Preis bleibt immer noch ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl eines Reiseziels, aber im Moment sicherlich nicht der Hauptfaktor. Sicherheit und Gesundheit stehen in diesem Zusammenhang im Mittelpunkt.


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