Schweden Mood Monitoring

Schweden: Mood Monitoring

Ende Juli 2020: "Es wird schon besser!" - zuversichtliche Wirtschaftsstimmung - Fahrrad-Boom - Reiselust trotz Reisewarnung - Sicherheit und Qualität sind wichtig - Vertrauen aufbauen

SWE-cation

Schweden ist mittlerweile als das "skandinavische EU-Land, das weniger strikt auf die Pandemie als der Rest Europas reagiert hat" bekannt. Dies hat auch im Land für große Diskussion gesorgt. Trotzdem zeigt eine Untersuchung von Novus, dass 71% der Schweden mit der Strategie zufrieden sind. Die Kritik kommt vor allem von Immigranten, die eng zusammenleben und vor allen anderen von der Pandemie in Schweden getroffen wurden.

Lange musste Schweden deutlich höhere Infektions- und Todeszahlen hinnehmen als die nordischen Nachbarländer, aber bei den Schweden gibt es jetzt einen positiven Trend: Sowohl die Zahl neuer Todesfälle als auch die der neuen Intensivpatienten geht zurück. Die nationale Gesundheitsbehörde wertet das als Folge der sozialen Distanzierung – zu der die Schweden nun unentwegt angehalten werden. In Schweden spürt man Hoffnung und ein Gefühl von "es wird schon besser". Man achtet weiterhin auf Distanzierung, Homeoffice und Urlaub im eigenen Land.

Zuversicht

Obwohl das BIP im ersten Quartal sogar um 0,1 % stieg, wird aufs ganze Jahr gerechnet ein BIP von -6 % erwartet. Die wirtschaftliche Stimmung ist zuversichtlich und man glaubt, den Tiefpunkt nun erreicht zu haben. Es wird von einer V-Kurve gesprochen, bzw. das Schlimmste hinter sich gelassen zu haben. Die schwedische Wirtschaft ist stark vom internationalen Handel abhängig, und das große Fragezeichen ist, wie schnell Europa sich wieder von der Krise erholt. Optimismus herrscht jedoch an der Stockholm Börse und hier wurden in letzter Zeit erstaunliche Zuwächse erreicht. Auch die schwedische Krone ist leicht gestiegen und dies sendet weitere positive Signale. Eine gewisse Unruhe am Arbeitsmarkt ist jedoch spürbar, besonders bei den jüngeren Menschen. Die Prognose der Arbeitslosigkeit 2020 liegt bei 9 %.

Schwedische Ferienhäuser bei Maklern stark nachgefragt

Die Restriktionen für ältere Personen, die keine Risikopatienten sind, wurden wieder aufgehoben. Sie "dürfen" sich wieder frei bewegen und reisen. Aber weiterhin gilt: Man trifft sich draußen, hält Abstand und achtet auf Handhygiene. Dies hat sich für alle Schweden als normales Verhalten durchgesetzt. So grüßt man nicht mehr mit Handschlag, körperlicher Kontakt wird vermieden. Der Konsum von Netflix sowie digitalen Medien ist gestiegen. Gartenmärkte und Heimwerkerketten erleben einen wirtschaftlichen Boom und die Aktie der schwedischen Baumarktkette "Byggmax" ist in die Höhe geschnellt. Auch berichten Makler von einer stark erhöhten Nachfrage bei schwedischen Ferienhäusern. Möglicherweise suchen sich Schweden einen Zufluchtsort im eigenen Land.

Fahhradgeschäfte erleben einen Boom: Noch nie wurden so viele Fahrräder in Schweden verkauft. Die Schweden wollen die öffentliche Verkehrsmittel soweit wie möglich vermeiden. Es sind vor allem E-Bikes, die immer populärer werden.

Höhere Lebensqualität ohne Konkurrenz und Zeitfresser

Als Gegenbewegung zur Diskussion über Isolation in der Krise berichten die Medien nun über das Gegenteil: Eine höhere Lebensqualität, wenn das FEMO-Gefühl nicht länger so stark ist (FEMO - Fear of missing out). Sei es bei der Arbeit, im Privatleben oder auf Social Media. Das Leben beinhaltet weniger Druck und Stress, da man sich nicht mehr mit anderen vergleichen muss.

In den sozialen Medien gibt keiner mit teuren Urlaubsreisen an, man arbeitet von zu Hause aus und kann sich aufs Wesentliche konzentrieren, ohne Konkurrenz und unnötige Zeitfresser wie Meetings und Anreise. In Schweden glaubt man, dass sich nach der Krise einiges ändern wird - mehr virtuelle Meetings, Homeoffice und weniger Geschäftsreisen, die nicht notwendig sind.

Reiselust gegeben

Die Reisewarnung für Österreich und viele weitere EU-Länder wurde am 15.7. verlängert (Ausnahme Deutschland, Polen und Andorra). Da ein negativer Corona-Test für die Einreise nach Österreich und einige andere EU-Länder erforderlich ist, bleibt es fraglich wie viele Schweden trotz einer eventuellen Reiseentwarnung Ende Juli reisen werden. Juli ist der große Urlaubsmonat in Schweden und viele befinden sich schon im Urlaub im eigenen Land. Für den Sommer 2020 kann man also davon ausgehen, dass die Mehrheit der Schweden zu Hause bleibt.

Aber die Reiselust ist noch da und so werden die geplanten Auslandsreisen verschoben. Eine aktuelle Untersuchung, durchgeführt von Swedish Gov, zeigt, dass immerhin 4 von 10 Schweden eine Reise innerhalb eines Jahres planen (62% der Schweden innerhalb von 2 Jahren). Davon planen 78% eine Reise innerhalb von Europa (und davon 12% in die nordischen Nachbarländer.) Nur 5% denken an eine Fernreise (USA, Thailand). Dies spricht für Österreich! Doch die Tatsache, dass Österreich nun das Landeverbot für Flugzeuge aus Schweden verlängert hat, trotz der besseren Datenlage, wird vielfach kritisch gesehen, wenngleich die Schweden ihrerseits die Reisewarnungen (siehe oben) aufrecht erhalten.

Das Image Österreichs

Dies ist sicherlich zielgruppenabhängig. Unsere Zielgruppe legt Wert auf Qualität, Kulinarik, Gemütlichkeit, Aktivitäten, Freiheit sowie Kultur und wird auch weiterhin nach Österreich reisen. Das negative Image bezieht sich vor allem auf Apres Ski und Party. Dies kann jetzt als Chance gesehen werden, auf die USPs von Österreich zu setzen: Einen sicheren Urlaub fernab von Menschenmengen, bei dem die Vorzüge Österreichs im Vordergrund stehen.  

Vertrauen aufbauen

Die Kommunikation von Qualität und Sicherheit wird wichtiger: Wie gestaltet sich ein sicherer Urlaub in Österreich? Mit der Familie? Im Freundeskreis?

Vertrauen aufbauen ist das A und O. 

Video und Podcast zu Schweden

Kopenhagen / Wien, 23. April 2020: In der neuen Folge der Podcast-Reihe ÖW Global widmen sich die zwei Social Media-Expertinnen Marlene Urbann und Sara Eichenauer der Frage nach der zielgruppengenauen Krisenkommunikation über Twitter, Facebook & Co. Die Marktsicht liefert Sara Eichenauer durch ihre Tätigkeit für den Markt Schweden, einen globalen Überblick bietet Marlene Urbann mittels ihrer Arbeit im Community Management in Wien. Für beide steht fest: Es ist besonders jetzt sinnvoll, die Zielgruppe in die Findung der Inhalte einzubinden.


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