Rumänien Mood Monitoring

Rumänien: Mood Monitoring

Mitte Mai 2020: Große Spendenbereitschaft - eher positive Grundstimmung - Videotelefonie wird zur Norm - Sicherheit und Freiheit wichtiger - Warten auf die ersten Reisen=Warten auf die Grenzöffnungen - Anreise per PKW ist Pluspunkt

Große Spendenbereitschaft der Bevölkerung

Die rumänische Regierung hat ab Mitte März im Rahmen einer Reihe von Notverordnungen mit strengen Ausgangsbeschränkungen auf die steigenden Coronavirusfälle reagiert und so dazu beigetragen, einen explosiven Anstieg der Erkrankten zu verhindern. Der Ausnahmezustand in Rumänien konnte am 15. Mai gelockert werden: Öffnung der Hotels (momentan aber nicht der zugehörigen Restaurants), Pensionen und Unterkünfte; Öffnung der Parks, Aufhebung der Ausgangssperre innerhalb der Ortschaften; Öffnung von Friseursalons, Zahnarztpraxen, Museen (strenge Regeln zu Hygiene und Distanzhalten werden implementiert); Nasen-Mundschutzmaskenpflicht gilt weiterhin in öffentlichen geschlossenen Räumlichkeiten, Supermärkten, öffentlichen Verkehrsmitteln usw. Aufnahme von Trainings durch Berufssportler; Jagd- und Fischereiaktivitäten, etc.

Die rumänische Zivilgesellschaft unterstützt die Anstrengungen der Regierung nicht nur mit materiellen und finanziellen Ressourcen, sondern auch mit Know-How. Es wurden über 20 Mill. Euro an Spenden gesammelt und durch die Initiative ‘Scut pentru spitale’ wurde auf 7.500 m2 eine medizinische Behandlungseinheit errichtet, um die leichten COVID-19-Fälle zu übernehmen, damit die Krankenhäuser entlastet werden. Gleichzeitig haben viele Restaurants in Bukarest warme Mahlzeiten für Medizinpersonal und andere Einsatzkräfte zur Verfügung gestellt. Einige Firmen haben für den Ausnahmezustand ihre Produktpalette umgestellt und stellen nun Schutzmasken und anderes medizinisches Equipment her.  

Einsatzkräfte und Ärzte genießen von allen Seiten großes Ansehen und Dankbarkeit. Diese Haltung wurde auch von großen Einkaufsketten und anderen Brands aufgegriffen, die besondere Öffnungszeiten und Kassen für Einsatzkräfte bereitstellen.

Verschiedene Kommunikationsmaßnahmen lassen weiters auf eine positive Grundstimmung schließen. Die Vereinigung der Bierbrauer hat eine Kampagne entwickelt, in der sie dazu auffordert, lokale Restaurants durch Onlinebestellungen zu unterstützen. Viele Supermarktketten bieten seit Beginn der Krise eigene Lieferdienste an.

Digitales Arbeiten und Lernen von zu Hause aus

Durch den vorgeschriebenen Abstand greifen die Rumänen nun noch stärker auf digitale Hilfsmittel zurück, was zu einem Anstieg des Datenvolumens geführt hat. Der Medienkonsum ist ebenfalls aus Mangel an alternativen Aktivitäten angestiegen. Online-Videokonferenzen mit Freunden und Familie wurden von der absoluten Ausnahme zur Norm, um die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen überbrücken zu können.

Was die Digitalisierung der Wirtschaft betrifft, ist Rumänien in vielen Branchen sehr gut aufgestellt. Laut dem Remote Working Index-Bericht von Broadband Deals ist Bukarest die beste Stadt der Welt für Arbeit auf Distanz. Das Miteinander im geschäftlichen Umfeld hat sich in den Großstädten also radikal geändert.

In Geschäften, am Arbeitsplatz oder an anderen Orten, wo Treffen nach wie vor stattfinden können, wurden weitreichende Maßnahmen zur Einhaltung des Sicherheitsabstands getroffen, die weitgehend eingehalten werden. Statt dem Händedruck oder einer Umarmung sprechen die Menschen mit Abstand miteinander.

Da der Schulunterricht bis Herbst von zu Hause aus stattfindet, hat sich das Gesicht der rumänischen Schule komplett gewandelt. Obwohl die Maßnahmen nicht in allen Regionen des Landes zu 100 % umgesetzt werden konnten, hat die Zivilgesellschaft dazu beigetragen, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien die, für den Heimunterricht notwendigen digitalen Hilfsmittel erhalten.  

Kleinigkeiten werden mehr geschätzt

Rumänen legen allgemein viel Wert auf Mobilität, Reisen und gemeinsame Erfahrungen. Dementsprechend war die aktuelle Situation für viele eine Herausforderung. Die Umstellung hat aber auch dazu geführt, dass einfache Dinge mehr wertgeschätzt werden. Ein kleiner Park im Hinterhof, selbstgebackenes Brot oder ein Spaziergang mit den Kindern in unmittelbarer Nähe der eigenen Wohnung wurden plötzlich für viele zur wertvollen Ressource.

In der Kommunikation spielen Grundbedürfnisse wie Sicherheit und Freiheit zunehmend eine wichtigere Rolle in Rumänien. Diese Zeitspanne wird wegen der eingeschränkten persönlichen Freiheit und den Schlangen vor den Geschäften mit dem Kommunismus verglichen, nur eben mit Netflix, Home Delivery und Remote Work. Solidarität, Empathie und Anpassungsfähigkeit sind mittlerweile Mantras geworden. Immer mehr Menschen machen online Yoga, Kinder bewegen sich vor einem Bildschirm beim Sportunterricht. Sicherlich werden wir nach dieser Zeit das Bedürfnis stärker spüren, an der frischen Luft zu sein, und hoffentlich werden wir natürliche und kulturelle Ressourcen mehr schätzen.

Hand in Hand mit der erzwungenen Digitalisierung aller Bereiche haben innovative Plattformen begonnen, gemeinsam mit Unternehmern, Experten und Behörden Gespräche über die Zukunft zu relevanten Themen wie Klimawandel, Pandemie und den Arbeitsmarkt zu führen. Private und staatliche Stakeholder treffen sich dort auf Augenhöhe. Themen, wie die psychische Gesundheit werden in den öffentlichen Diskurs der Behörden einbezogen und sind zentral. 

Warten auf die Grenzöffnungen

Trotz allen Verständnisses für die aktuelle Situation warten die Rumänen ungeduldig auf die Aufhebung der Beschränkungen und die ersten Reisen in der Sommersaison. Es wird davon ausgegangen, dass die Bewegungsfreiheit mit dem Abebben der Pandemie vollständig wiederhergestellt wird, allerdings ist fraglich, wie lange das noch dauern wird. Die Globalisierung wird im öffentlichen Diskurs kaum mit der Epidemie in Verbindung gebracht, und die Sehnsucht nach sicheren Urlaubsreisen ist ungebrochen.   

Österreichs Ruf: sicher und verantwortungsvoll

Österreich genießt nach wie vor den Ruf eines sicheren und verantwortungsvoll geführten Landes, dessen Maßnahmen gegen das Coronavirus für Verlässlichkeit und Rationalität stehen. Wir gehen davon aus, dass Österreich diese Position auch langfristig beibehalten kann. Die größte Veränderung liegt im allgemeinen Reiseverhalten. Die fragliche Öffnung der Grenzen durch die rumänische, ungarische und österreichische Regierung sowie die Problematik von möglichen Quarantänevorschriften bei der Rückkehr aus dem Urlaub machen es momentan schwer absehbar, wann und wie Urlaubsreisen wieder aufgenommen werden können. Größere Vorhersehbarkeit in dieser Hinsicht wird die Grundbedingung für die Urlaubsplanung sein.                 

Erste Kommunikationsmaßnahmen

Wann und wie die Maßnahmen gegen COVID-19 gelockert werden, ist momentan noch sehr unsicher, doch sie werden sehnlichst erwartet. Verlautbarungen der zuständigen Ministerien stellen auch eine Wiedereinführung von Maßnahmen bei steigenden Infektionszahlen in den Raum und verstärken so die Unsicherheit in puncto Bewegungsfreiheit.

Dennoch besteht großes Interesse, dem eingeschränkten Alltag zu entfliehen und es ist davon auszugehen, dass konkrete Urlaubsangebote, die dem Bedürfnis nach Sicherheit entsprechen (vor Ort und bei der Anreise), gerne wahrgenommen werden. Die mögliche Anreise mit dem Auto von Rumänien nach Österreich ist damit ein großer Pluspunkt für den heimischen Tourismus. 

Für die Kommunikation empfehlen wir:

  • Die Maßnahmen in Österreich möglichst klar zu kommunizieren
  • Flexible Buchungskonditionen aktiv anzubieten
  • Die Gastgeber sollten ihr Gesicht zeigen und über ihre neue Normalität kommunizieren
  • Wiederaufnahme des Tourismus gemeinsam mit Reiseveranstaltern planen 

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