Polen Mood Monitoring

Polen: Mood Monitoring

Mitte Mai 2020: Sorgen um die Wirtschaft und erste Proteste - digitaler Schub - Grenzöffnung wird sehnlichst erwartet

Wirtschaftliche Lage beunruhigt Polen am meisten

Seit Mitte Mai herrscht in Polen definitiv eine Lockerungsphase. Seit dem 18.5. sind wieder Restaurants und Beautysalons geöffnet. Allerdings ist immer noch eine Unsicherheit zu spüren. Immer mehr Quellen berichten darüber, dass die angegebenen Zahlen der COVID-19-Fälle falsch wären. Dabei sinken die Neuinfektionen nicht, insbesondere in Schlesien, wo aktuell die höchsten Zahlen seit Anfang der Pandemie gemessen wurden. Laut Experten gibt es noch keine Hinweise dafür, dass man die Lockerungen in Polen schon einführen könnte.

Die Polen machen sich weiterhin Sorgen um ihre wirtschaftliche Lage. Polnische Unternehmer demonstrieren auf der Straße gegen den Lockdown und allgemein gegen die Regierung. Die Unternehmen im Land beklagen einen Umsatzeinbruch von bis zu 80 % und bekommen trotzdem keine finanzielle Unterstützung vom Staat. Die für 10. Mai geplanten Wahlen fanden nicht statt, da die vorgeschlagene Briefwahl im Parlament nicht durchgesetzt wurde. Der neue Termin ist unbekannt. Die größte Oppositionspartei hat sich entschieden, einen neuen Kandidaten zu nominieren. Präsidentenwahlen bzw. Politik ist neben der Pandemie das größte Thema.

Leben verlagert sich ins Digitale

Onlinecontent (darunter Online-Ausgaben der Zeitungen und Magazine) wird immer mehr konsumiert. Titel, die keine Onlineversion angeboten haben, wurden teilweise geschlossen. Für manche Verlagshäuser war/ist das Coronavirus auch der Impuls (manchmal auch eine Ausrede), unrentable Zeitungen zu schließen.
Die E-Commerce-Branche notiert ständige Steigerungen. Momentan wird alles online erledigt: Man trifft sich mit den Freunden online, man kocht mit Hilfe von Online-Tutorials, man treibt online Sport und erledigt die Einkäufe (obwohl die Lieferung aktuell 2-3 Wochen dauern kann).
Auch ein enormer Zuwachs von Abonnenten auf den VOD-Plattformen (wie Netflix, player.pl etc.) ist definitiv zu sehen.

Momentan stehen die Grundbedürfnisse im Vordergrund

In Folge des Coronavirus haben viele ihre Arbeit verloren und viele kleinere Geschäfte mussten schließen. Niemand traut sich hier noch eine konkrete Zahl zu nennen. Das Schutzpaket der Regierung wurde eingeführt, aber die tatsächliche finanzielle Unterstützung findet noch nicht statt. Viele mussten ihre Haushaltsausgaben kürzen und somit kümmert man sich momentan in erster Linie um das Stillen von Grundbedürfnissen. Es wird heuer zusätzlich die größte Dürre seit Jahrzehnten prognostiziert, was einen erheblichen Anstieg der Lebensmittelpreise verursachen und somit die ohnehin schwierige Wirtschaftslage negativ beeinflussen wird.

Abstandhalten, Masken sowie Handschuhetragen gehört jetzt schon zu Normalität. Social Distancing ist in der Öffentlichkeit definitiv zu spüren.

Alle interessiert die Grenzöffnung

Die Grenzöffnung ist hier die wichtigste Frage – nicht nur für Urlauber, sondern auch für viele Polen, die im Ausland (besonders in Deutschland) arbeiten. Momentan dürfen sogar Polen, die an der Grenze wohnen und auf der anderen Seite der Oder einen Job haben, nicht arbeiten (obwohl das in Deutschland schon erlaubt ist). Wöchentliche Proteste in grenznahen Städten und Regionen sind die Folge. Von großer Bedeutung ist auch, wie lange die Pflicht zur 2-wöchigen Hausquarantäne für alle Einreisende/Rückkehrer gültig sein wird. Dies kann einen enormen Einfluss auf die finale Urlaubsentscheidung haben. 

Die zwei Gesichter Österreichs

Österreich wird in Polen aus zwei verschiedenen Perspektiven dargestellt: Einerseits als ein Vorbildland, das relativ schnell Anti-Corona-Maßnahmen eingeführt hat und somit auch die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt hat. Andererseits wurde es auch als Quelle vieler Infizierungen in Europa dargestellt. Allerdings wird Österreich immer öfter in einem sehr positiven Zusammenhang erwähnt: Die Menschen freuen sich auf Grenzöffnungen, um dann letztendlich auch wieder nach Österreich kommen zu können. Über mögliche Grenzöffnungen wird jedoch nur innerhalb der Bevölkeung spekuliert. Die Regierung selbst dementierte bisher alle Absichten zu baldigen Grenzöffnungen.

Gedanken zu Angebot und Kommunikation

  • Achtsam und online kommunizieren. Breites Service für alle vor und nach diversen Urlaubanfragen (Infos zu Transfer, Hygiene und Sicherheit, Alltag in der Region).
  • Als größter Vorteil fungiert aktuell die Lage Österreichs sowie die Entfernung von Polen (polnische Gäste reisen zu 70 % mit dem Auto an).
  • Kein Massentourismus, eher maßgeschneidertes Angebot mit viel Potenzial im Sommer bzw. Spätsommer (falls Reisen möglich) präsentieren.
  • Vielleicht Tendenz zu Wellness und Sportangebot, bzw. Mindfullnessurlaub (Zeit für sich selbst).

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