Niederlande Mood Monitoring

Niederlande: Mood Monitoring

Mitte Mai 2020: Entspannter Beginn - kontaktloses Bezahlen - individuelle Verkehrsmittel - sozialer Zusammenhalt - Sommerurlaub wird ev. auf September/Oktober verschoben - Winterurlaub weiterhin von Interesse

Maßnahmen und ihre Konsequenzen

In den Niederlanden hat anfangs alles sehr entspannt begonnen, da die Regierung zu Beginn auf Gruppen- oder Herdenimmunität setzte. Während in anderen Ländern bereits ein Lockdown stattfand, war in den Niederlanden noch wenig von einer Corona-Krise zu bemerken. Shoppen, Treffen und Restaurant-Besuche standen noch an der Tagesordnung. Nach einigen aufgetretenen Fällen folgten Empfehlungen der niederländischen Regierung zur Einhaltung von Hygienemaßnahmen sowie im Homeoffice zu arbeiten. Wobei Arbeiten im Homeoffice in den Niederlanden bereits schon lange zur „Arbeitskultur“ gehört und deshalb nicht neu für Niederländer ist.

Erst mit einem rasanten Anstieg der Fallzahlen und der Schließung aller Schulen, Kindertagesstätten, Sport- und Fitnessclubs, Cafès und Restaurants änderte sich das Stimmungsbild. In einer ersten Aktion klatschten zahlreiche Niederländer gemeinsam für Gesundheitspersonal, Müllabfuhrmitarbeiter und für alle anderen, die das Land am Laufen hielten – König Willem-Alexander, Königin Maxima und ihre Kinder nahmen ebenfalls daran teil. In einer weiteren Aktion wurden zur Aufmunterung der Kinder, wie in Belgien, Teddybären ins Fenster gestellt, mit dem Ziel, Kindern Spaß beim Spazierengehen zu machen.

Es folgte der „intelligente Lockdown“ mit strengeren Maßnahmen. Zusätzlich wurden u.a. Friseure, Kosmetiksalons und Museen geschlossen. Viele Niederländer reagierten darauf mit Bedenken, aber auch mit viel Verständnis. Mit dem „intelligenten Lockdown“ verbringen jedoch weiterhin viele Niederländer Zeit im Freien mit Spazieren, Radfahren, Joggen, etc. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Niederlande ein Land sind, in dem Eigenverantwortung und Freiwilligkeit großgeschrieben werden. Gelassenheit und sachlich-rationales Denken sind in den Niederlanden eine Grundeinstellung. „Die Niederländer sind ein freigeistiges, tolerantes und lockeres Volk, das seine individuelle Freiheit sehr schätzt", schreibt die Tageszeitung „de Volkskrant“. Mittlerweile führen in den Niederlanden die Corona-Beschränkungen aber auch zu Diskussionen zwischen denen, die sich strikt an die Regeln halten, und denen, die die Regeln etwas freier auslegen. Maskenpflicht gibt es in den Niederlanden bis heute nur in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Abstandsempfehlung von 1,5 Metern wird damit zumeist eingehalten.

Anstieg bei der Nutzung von Medien und Messaging-Plattformen

Auch in den Niederlanden gibt es eine Reihe von Verhaltensänderungen: Kein Händeschütteln mehr, 1,5 Meter Abstandhalten, regelmäßiges Händewaschen, Niesen oder Husten in den Ellbogen. Durch den „intelligenten Lockdown" treffen sich die Niederländer weiterhin und gehen mit 1,5 Meter Abstand spazieren.

Zu beobachten ist auch der Anstieg von kontaktlosem Bezahlen (obwohl bargeldloses Zahlen schon vor der Krise in den Niederlanden sehr stark genutzt wurde). Statt öffentlichen Verkehrsmitteln werden individuelle Transportmittel bevorzugt.

Die vermehrte Nutzung von Medien zeigt sich vor allem bei der Freizeitgestaltung (Netflix & Co) oder zur Informationseinholung (v.a. über nationale Nachrichtenseiten, -sender). Einen Anstieg gibt es bei der Internetnutzung, beim TV-Konsum und bei der Nutzung von Social Media. Online-Shopping stieg nur leicht, da auch weiterhin in stationären Geschäften eingekauft wird. Durch die fehlenden sozialen Kontakte gibt es jedoch eine enorme Zunahme bei der Nutzung aller Messaging-Plattformen (z.B. WhatsApp). Auch ein stärkerer Anstieg beim Konsum von Videos (z.B. über YouTube) ist zu beobachten.

Hilfsbereitschaft und zunehmende Verunsicherung

Die gegenseitige Hilfsbereitschaft vor allem innerhalb der Familie, unter Freunden und Nachbarn ist groß. Hilfe wie Einkaufen und Kochen für Ältere wird aktiv angeboten. Sozialer Zusammenhalt sowie Probleme gemeinschaftlich und konsensual zu bewältigen, ist eine grundsätzliche Eigenschaft in den Niederlanden und damit auch in der Krise sehr stark.

Auch ein deutlicher Anstieg in der Kommunikation über soziale Medien oder Telefon ist zu beobachten. Auf der anderen Seite kommt es aber auch zur sozialen Distanzierung. Mit der vielen Zeit, die zu Hause verbracht wird, ist ein starker Anstieg auf nationalen News-Seiten zu beobachten – diese erreichten sogar mehr Menschen als Facebook, auch Jüngere. Ein leichter Anstieg bei Online-Einkäufen führt zu einer Veränderung im Konsumverhalten. Mit der Verlängerung der Maßnahmen macht sich hingegen auch zunehmende Verunsicherung, die Zukunft betreffend, in den Niederlanden bemerkbar: Nämlich die Angst, krank zu werden oder den Job zu verlieren.

Niederländer hoffen weiterhin auf Sommerurlaub

Die Corona-Krise hat starke Auswirkungen auf die Urlaubspläne der Niederländer. Viele Niederländer haben ihre Sommerferienpläne bereits verschoben. Andere haben Zweifel, aufgrund der zahlreichen Maßnahmen in einigen Ländern, in diesem Jahr auf Urlaub zu fahren. Knapp über 30 % der Niederländer gaben an, falls sie in diesem Jahr auf Urlaub fahren, diesen im eigenen Land zu verbringen (Untersuchung von dvj insights). Das Grundbedürfnis zu reisen ist tief bei den Niederländern verankert. Zahlreiche Niederländer hoffen weiterhin auf Sommerurlaub fahren zu können. Dies hängt jedoch vor allem von einer Aufhebung der Reisewarnungen, einer Öffnung der Grenzen und den getroffenen Sicherheitsmaßnahmen ab. Sobald die Corona-Maßnahmen gelockert werden, sehen viele größere niederländische Reiseveranstalter, aufgrund des Interesses an Nahdestinationen, eine rasche positive Trendumkehr der Reisestimmung. Nach Einschätzung einiger großer niederländischer Reiseveranstalter wird sich jedoch die Hochsaison 2020 auf die Monate September und Oktober verlagern. Das Interesse an Reisen im Herbst und Winter wächst.

Der freie Warenverkehr wird auch in den Niederlanden nicht in Zweifel gezogen. Die Wirtschaft ist extrem vom freien Waren- und Personenverkehr abhängig. Es besteht ein hoher Exportanteil (Bedeutung Rotterdam als DER europäische Hafen, Bedeutung Landwirtschaft- und Blumenexporte, Sitz von zahlreichen multinationalen Konzernen).

Gute post Corona Chancen für Österreich

Österreich hat gute Post-Corona-Chancen: In den Augen der Niederländer ist Österreich ein sicheres, bekanntes und vertrautes Urlaubsland (hoher Stammgästeanteil), ein Land mit intakter und spektakulärer Natur, Berg- & Naturlandschaft sowie traditionell, ursprünglich, gastfreundlich und erdgebunden (Anreise per Auto über 80 %). Der große Reiseveranstalter De Jong Intra beobachtet mehr Interesse an Urlauben in Belgien, Deutschland, der Schweiz und Österreich. Dennoch ist Urlaub in Österreich, da viele niederländische Österreich-Urlauber per Auto anreisen, erst möglich, wenn die Reisewarnungen aufgehoben und die Grenzen geöffnet werden. Der Online-Blog „indebergen.nl“ schreibt Ende April: „Eines unserer Lieblingsländer für einen Sommerurlaub ist Österreich. Die freundlichen Dörfer, die freundlichen Menschen, die schönen Seen und das Essen…“ Viele Niederländer hoffen weiterhin, im Sommer Urlaub in Österreich machen zu können. Zahlreiche Medienberichte und -artikel über Ischgl waren im Großen und Ganzen neutral, selten überkritisch und eher nüchtern. Eine Studie der Spalder Media Group ergab, dass auch weiterhin Interesse der Niederländer an Winterurlaub in Österreich besteht. Bezüglich Urlaubsverhalten werden Niederländer zukünftig bewusster in puncto Sicherheit und leichterer Zugänglichkeit darauf achten, wohin sie auf Urlaub fahren und bevorzugen zum größten Teil Urlaub innerhalb Europas.

Empathie und Authentizität in der Kommunikation

Vertrauen, Zuversicht, Gesundheit, Hygiene und Sicherheit haben einen wichtigen Stellenwert eingenommen, auch in der Kommunikation. Das Sicherheitsbedürfnis beginnt bereits vor und bei Antritt der Reise und zieht sich über die gesamte Reise hinweg. Viele Niederländer warten bereits auf die Aufhebung der Reisewarnungen und Öffnung der Grenzen, die erste Signale sind, dass Reisen wieder OK sind. Die großen niederländischen Reiseveranstalter berichten, dass derzeit vorwiegend Urlaube im September/Oktober gebucht werden und bereits auch Interesse für Winterurlaub in Österreich besteht. Für die Tonalität der Kommunikation sind Empathie und Authentizität wichtig, vor allem Botschaften von Mensch zu Mensch über persönliche Stories von lokalen Persönlichkeiten, die als Botschafter auftreten und Glaubwürdigkeit und Vertrautheit vermitteln. Aber auch Touristen als Botschafter, die mit Begeisterung über das Urlaubsland Österreich sprechen, nehmen bereits während der Corona-Krise und auch post Corona an Bedeutung in der Kommunikation zu. Auch der Aufbau und das Aufrechterhalten von Relationships und Communities mit zukünftigen oder potenziellen Österreich-Urlaubern ist wichtiger als je zuvor. In der Bildsprache sollten derzeit keine Images eingesetzt werden, die viele Menschen zeigen wie z.B. überfüllte Einkaufsstraßen, in denen keine Distanz zu erkennen ist.