Kroatien Mood Monitoring

Kroatien: Mood Monitoring

Mitte Mai 2020: Hohes Stresslevel bei den Kroaten - Tourismus großes Thema - Tourismuskorridor? - gegenseitige Hilfestellung - Kontakte fehlen - Österreich hat gutes Images

Strenge Maßnahmen und Sorgen

Seit 13.3.2020 galten die Coronavirus-Epidemie-Regelungen in ganz Kroatien: Die Bewegungsfreiheit in Kroatien wurde stark eingeschränkt, das Erdbeben hat die Situation noch verschlechtert. Die Aus- und Einreise wurde untersagt und internationale Busse, Bahn- und Fährverbindungen für Personenverkehr wurden eingestellt. Die Ergebnisse der COVIDiSTRESS Global Survey zeigen ein sehr hohes Stress-Level (3. Platz unter den befragten Ländern).

Das allgemeine Vertrauen in die Regierung ist sehr niedrig, aber das Vertrauen, dass die Regierung die richtigen Entscheidungen im Kampf gegen Covid-19 trifft, ist hoch. Die Kroaten halten die Maßnahmen eher für zu streng (4. Stelle unter den befragten Ländern). Die größten Sorgen sind die wirtschaftliche Situation des Landes, die Lage der Tourismusindustrie sowie die persönliche finanzielle Lage. Die Erinnerung an die letzte Wirtschaftskrise ist noch sehr lebendig. Die kroatische Regierung hat am 26. März 63 Unterstützungsmaßnahmen verabschiedet, um Arbeitsplätze zu erhalten und Lohnzahlungen sicher zu stellen, darunter auch Möglichkeiten zur Co-Finanzierung von Lohnkosten.

Ein zweites Paket mit Erweiterungen und teilweise Änderungen der Maßnahmen aus dem 1. Paket wurde am 6.4.2020 verabschiedet. Eine Umfrage der kroatischen Wirtschaftskammer zeigt, dass 95 % der kroatischen Unternehmen vom Coronavirus betroffen sind. Die Maßnahmen wurden in drei Runden gelockert: am 27. April, 4. Mai und 11. Mai. Immer unter der Voraussetzung, dass die einzelnen Phasen sich als erfolgreich erweisen und sich die epidemiologische Situation nicht verschlechtert.

Virtuelles Kontakthalten

Weil Reisen in Kroatien nach dem Erdbeben am 22.3. außerhalb des Hauptwohnsitzes eingeschränkt wurden, sind die verschiedensten virtuellen Möglichkeiten, den Kontakt mit Familienmitgliedern und Freunden zu halten, von großer Bedeutung. Digitales Arbeiten und Lernen sowie die Verwendung neuer Applikationen hat sowohl die Arbeitnehmer/Arbeitgeber als auch die Schulen vor große Herausforderungen gestellt, von denen sie allerdings zukünftig profitieren können. Viele Medien haben auf ausschließlich digitale Ausgaben umgestellt, der Online-Medienkonsum hat sich erhöht.

Hilfsbereitschaft und Sehnsucht nach Kontakten groß

 Für Kroaten war das Zusammensein mit der Großfamilie und Freunden immer wichtig. In dieser Situation muss man auf das Treffen mit Freunden verzichten, die Klein-Familie lebt viel intensiver zusammen, was auch zu Konflikten und Spannungen führen kann. Das persönliche Freiheitsgefühl wurde während der Sperre noch wichtiger und die Sehnsucht nach Meer und der dort verbrachten Zeit noch bewusster. Die Kroaten leben in jeder Jahreszeit "outdoor", Cafés und Terrassen sind wichtige Plätze für "Socialising", das man jetzt stark vermisst hat. Unzählige Beispiele für die Hilfsbereitschaft in Communities, für die gegenseitige Unterstützung in Wohngemeinschaften, findet man in den sozialen Medien. Die sogenannte "Carpe diem"-Mentalität war gewissermassen immer für die Kroaten charakteristisch, jetzt hat sich die Sehnsucht nach genussvollen Momenten erhöht.

Überlegungen zum Tourismus in Kroatien

Die Öffnung der Grenzen ist für die kroatische Wirtschaft eine essenzielle Frage - der Tourismus erlebt extreme Einbrüche wegen der Corona-Krise. Kroatien will trotz des Coronavirus in diesem Sommer Urlaub im Land möglich machen. Falls es nicht anders geht, wird ein „Tourismus-Korridor“ zwischen den Ländern in Europa überlegt. Die Corona-Maßnahmen sollen in Kroatien stufenweise gelockert werden, damit Urlaub für Touristen aus Ländern mit ähnlicher Corona-Lage möglich wird. Höchstwahrscheinlich werden sich viele Kroaten für einen Inlandsurlaub entscheiden. Leicht erreichbare und als sicher geltende Nachbarländer werden bevorzugt, wenn ein Auslandsurlaub überlegt wird.

Gutes Image Österreichs

Österreich hat ein sehr gutes Image in Kroatien: Die Maßnahmen und die Ergebnisse werden als positive Beispiele zitiert. Die Sauberkeit, das gepflegte Umfeld, die intakte Natur haben einen sehr hohen Stellenwert in diesen Zeiten, gepaart mit dem Vertrauen in die Qualität, die man in Österreich findet.

Angebote für gemeinsame Zeit als auch Zeit für sich selbst

Bei der Kommunikation sollte man in einem ersten Schritt auf Online-Kanäle setzen, da hier die Möglichkeit für schnelle Adaptierungen gegeben ist. In der Kommunikation wennmöglich die Gegenseitigkeit betonen - Österreich bildet "bridges". Weiters gilt es achtsam zu kommunizieren und Vergleiche zu vermeiden (schöner, gesünder etc.). Es sind Angebote gefragt, bei denen man das Zusammensein, aber gleichzeitig auch ein bisschen die "Zeit für sich selbst" erleben kann.


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