Indien Mood Monitoring

Indien: Mood Monitoring

Mitte Mai 2020: Strikte Ausgangssperre - weniger Gemeinschaftsaktionen - Ungeduld bei der Bevölkerung - "Namaste" setzt sich völlig durch - Streamingdienste und passende Kleidung bei E-Learning - Europa als Ganzes betrachtet - aufeinander abgestimmte Kommunikation sinnvoll

Ungeduld macht sich breit

Die mittlerweile siebenwöchige strikte Ausgangssperre, die der indische Premierminister Narendra Modi seinen 1,3 Milliarden Landsleuten am 24. März verordnet hat, trieb Stunden nach ihrem Inkrafttreten paradoxerweise Millionen Menschen auf die Straßen. Auf den unzähligen Märkten des Subkontinents herrschte am nächsten Tag dichtes Gedränge, wie Bilder aus dem ganzen Land zeigten. Sicherheitskräfte, die das Ausgehverbot durchsetzen wollten, gerieten an vielen Orten mit aufgebrachten BürgerInnen aneinander, die sich mit Vorräten eindecken wollten. Das energische Auftreten der Polizei hat dazugeführt, dass sich die indische Bevölkerung - zur Überraschung vieler - an die Ausgangssperre hält. Gemeinschaftsaktionen wie Applaudieren und Kerzen anzünden gab es nur in den ersten drei Wochen. Mittlerweile sind die meisten Inder frustriert und warten ungeduldig auf das Aufsperren der Geschäfte und Büros. Shows der Air Force und Navy haben mehr Kritik an den Kosten hervorgerufen, als Freude über die Abwechslung.

Online-Meetings in passender Bekleidung

Die übliche Begrüßung in Indien ist der „Namaste“-Gruß. Das Wort bedeutet übersetzt soviel wie „Ich verbeuge mich vor Dir!“. Dabei werden die Handflächen aneinander gelegt und in Brusthöhe gehoben, der Kopf wird dabei leicht gesenkt. Je nach sozialem Stand des Gegenübers werden die Hände auch höher gehoben. Diese Form der Begrüßung gewann gleich zu Beginn der Corona-Krise an weltweiter Popularität und wird vermutlich auch in Indien den sehr seltenen Begrüßungshandschlag komplett ersetzen. Auf Grund der Ausgangssperre entfallen Kinobesuche bzw. können viele Soap Operas nicht produziert werden: Netflix, Prime Amazon und Disney+ haben enorme Zuwachsraten. Das Geschäftsleben steht still, sollten aber doch Meetings stattfinden, dann vor allem über Zoom, wobei sehr darauf geachtet wird, dass man passend gekleidet ist. Dies gilt übrigens auch für das E-Learning: Kinder müssen teilweise in ihrer Schuluniform vor dem Bildschirm sitzen.

Geänderte Wertehaltungen?

Eine genaue Berurteilung ist schwierig, da sich Indien noch bis 31. Mai im Lockdown befindet und im urbanen Bereich gibt es noch keine Austauschmöglichkeiten außerhalb der sozialen Medien. Grundsätzlich sind die anfänglichen Gefühle der Hilfsbereitschaft und der Solidarität denen der Existenzsorgen und auch der Neidgefühle gewichen: Menschen, die für staatliche Betriebe oder im medizinischen Bereich arbeiten, sind von Lohnkürzungen und Kündigungen ausgenommen. Am meisten vermisst unsere Zielgruppe momentan den Besuch von Restaurants, Bars und Fitnessclubs. 

Österreichische Bemühungen sogar in Indiens Medien Thema

Viele Inder überdenken angesichts des gegenwärtigen weltweiten Marktversagens die Schattenseiten der Globalisierung: Wenn lebenswichtige Güter nur noch aus einem einzigen Land stammen, werden Volkswirtschaften bedrohlich verwundbar. Auf der anderen Seite bringt die Auslagerung pharmazeutischer Produktionskapazitäten von Europa nach Indien (das seinerseits die Wirkstoffe für seine Generika-Herstellung aus der Volksrepublik China bezieht) dem Land viele Vorteile. Millionen indische Staatsbürger sind auf der ganzen Welt in der IT- und Banken-Branche beschäftigt und wenn Inder hier - auf Grund des Lockdowns - noch nicht an Urlaubsreisen denken, dann sehnen sie sich doch nach der  Öffnung der Landesgrenzen und der Aufhebung des Flugverbots, um endlich Verwandte und Freunde wiederzusehen. Wie groß das Vertrauen des einzelnen in Bezug auf Urlaub in Österreich ist, ist momentan nicht zu beurteilen, aber Österreichs erfolgreiche Bemühungen zur Bekämpfung des Virus finden sich beinahe täglich in den indischen Medien wieder.    

Situation in Europa ist ausschlaggebend für Reisepläne

Eine Einstellung zu Reisen nach Österreich ist momentan nicht einschätzbar. Da die meisten indischen Touristen im Rahmen einer Europareise kommen, betrachtet man die Gesamtsituation in Europa und hier vor allem in Deutschland und Italien. Erst nach Aufhebung des internationalen Flugverbots und der Wiederaufnahme der Visaausstellungsverfahren kann das Urlaubsverhalten beurteilt werden.

Wiederaufnahme der Kommunikation in Abstimmung

Die Kommunikation sollte inspirieren und gleichzeitig über die Sicherheit und Qualität des österreichischen Angebots informieren. Basisinformationen zur Visaausstellung, Anreise und den Gegebenheiten vor Ort sind wichtig. Wiederaufnahme der werblichen Online-Aktivitäten sollten in Absprache mit den Top OTAs und Reiseveranstaltern stattfinden.


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