Frankreich Mood Monitoring

Frankreich: Mood Monitoring

Mitte Mai 2020: Ersehnte Lockerungen - Freiheitsdrang der Franzosen massiv beschnitten - Urlaubssehnsucht auch ins Ausland - erdgebundene Destinationen stark im Fokus

Aufatmen in der Bevölkerung - positive erste Lockerungsphase

Der mehrstufige Lockerungsplan zeigt erste Erfolge und lässt das Land aufatmen. Das Wirtschaftsleben wird langsam hochgefahren, ebenso hat der Handel wieder geöffnet. Dennoch bleibt die Regierung vorsichtig, der Neustart erfolgt stufenweise und mit geografischen Differenzierungen. Der Neustart hat am 11. Mai mit dem "green-zone-system" begonnen: Departements, in denen das Virus unter Kontrolle ist, werden grün markiert. Dort werden Einschränkungen gelockert und die Menschen können sich wieder halbwegs frei bewegen. Rund drei Viertel des Landes ist Mitte Mai grün eingestuft. Zu den roten Departements zählen noch die Ile-de-France, also die stark betroffene Hauptstadt Paris und der Grand Est, das östliche Grenzgebiet zu Deutschland. Hier darf man sich nun ohne Ausgangsbescheinigung im Umkreis von 100 km des Wohnsitzes wieder bewegen. Aufgrund der Ansteckungsgefahr in den öffentlichen Verkehrsmitteln hat die Regierung den Teleworking-Modus weiterhin zur Regel erklärt. Arbeitnehmer, für die dies nicht möglich ist, dürfen unter strikten Vorschriften mit einer Bestätigung des Zeitfensters ihres Arbeitgebers wieder zum Arbeitsplatz fahren. Über die Öffnung der Gastronomie, Cafés, Restaurants, Beherbergungs- und Freizeitbetriebe, voraussichtlich am 2. Juni, wird in der 2. Phase des Lockerungsplans Ende Mai entschieden, ebenso über Tourismus und Reisen. Parks, Wälder und Strände sind zur Erleichterung der Bevölkerung seit 11. Mai wieder geöffnet. Dies jedoch mit Ausnahme der Parks in Paris, was bedingt durch das schöne Wetter besonders die Quais an der Seine mit vielen "take-aways" in eine "Street-food Freizeitzone" verwandelt hat. Schulen öffnen nun stufenweise, jedoch nur bis 15 Schüler pro Klasse, Oberstufen bleiben vorerst auf Homeschooling reduziert. Versammlungen bis zu 10 Personen sind erlaubt, Veranstaltungen mit mehr als 5.000 Personen sind in jedem Fall bis Ende August verboten. Im öffentlichen Raum wie Verkehrsmittel, Geschäfte, Schulen, usw. und an vielen Arbeitsplätzen besteht großteils Maskenpflicht. Mit umfangreichen Maßnahmen, kolossalen staatlichen Förderungen, Kreditgarantien, Steueraufschub und Direkthilfen stützt die Regierung Unternehmen, hilft Arbeitsplätze zu bewahren und will die Wirtschaft so rasch wie möglich wieder ankurbeln.

Marken schaffen durch Mehrwert Vertrauen

Langsam beginnt wieder das Leben auf den Pariser Straßen, doch bei weitem nicht so quirlig wie gewohnt. In ganz Frankreich sehnen sich die Menschen danach, sich wieder frei zu bewegen, zur Arbeit zu gehen und ihre Wege so zwanglos wie möglich erledigen zu können. Sie freuen sich auf einen nicht virtuell beschränkten Austausch mit Geschäftspartnern und auf soziale Kontakte. Parallell stellt man sich darauf ein, dass gewisse Einschränkungen andauern werden, solange kein Impfstoff gefunden wird. Man versucht einen zufriedenstellenden "normalen Alltag" zu finden.

Die Einschränkung, sich nur 100 km im Umkreis des Wohnsitzes bewegen zu dürfen, ist für die freiheitsliebenden Franzosen eine schwere Prüfung. Dennoch akzeptiert die Bevölkerung die strikten behördlichen Vorschriften und Maßnahmen der Regierung. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein "Ausharren" hin zur Öffnung der heißgeliebten Café-Terrassen und Bistros sowie Kultur- und Freizeitbetriebe, voraussichtlich am 2. Juni. Besonders hofft man, dass es zu einer raschen und sicheren Erholung der Wirtschaft kommt, damit sich die Einkommen in vielen Familien wieder stabilisieren.

Weiterhin positiv entwickelt sich die "Home-Economy", insbesondere die Bereiche des digitalen Medienkonsums, Teleworking-Software und Social-Media-Kontaktplattformen am Unterhaltungssektor sowie Heim-Sport. Steigende Zahlen bei Indoor-Fitness, Online-Bildung, digitalen Arztkonsultationen, Online-Media-Konsum sowie TV-/Radio & Livestream. Marken sichern sich durch Wohltätigkeitsaktionen Vetrauen. LVMH/Louis Vuitton produziert kostenlos Desinfektionsgel für Krankenhäuser anstatt Parfum, Ricard sponsert dazu Alkohol, 1083 Jeans Marke produziert gratis Masken für Gesundheitspersonal in der Provence, Disneyland verschenkt 15 Tonnen Lebensmittel, u.v.m..

Wie der neue Alltag nach dem Coronavirus aussehen wird, kann man sich noch nicht vorstellen. Auf jeden Fall wünscht man, dass das derzeitige rücksichtsvollere Miteinander beibehalten wird sowie einen schonenderen Umgang mit der Umwelt.

Hoffnung auf Normalität, Nachbarschaftshilfe steigt

Nach monatelanger gesellschaftlicher Einschränkungen steigt das Bedürfnis immens, sich endlich wieder persönlich im großen Familienkreis, mit Freunden und auch Geschäftskontakten treffen zu können. Wenngleich auch weiterhin eingeschränkt und mit strikten Hygieneregeln - dessen ist man sich bewusst. Bei der Begrüßung gibt es keine vier Küsschen mehr und auch kein Händeschütteln. Man hält Abstand von mind. 1 Meter, hustet in die Armbeuge und lächelt mit den Augen, weil es durch den Mundschutz nicht sichtbar ist. Gehorsam befolgt man Hygienevorschriften, trägt Schutzmasken und achtet sorgsam darauf, sich selbst und auch seine Nächsten zu schützen. Großeltern müssen ausharren, bis sie ihre Enkelkinder wiedersehen dürfen. Man lebt nur im kleinsten Familienkreis zusammen. Ideenreich entstehen Social-Media Gruppen und Solidarität in Wohnresidenzen, in denen Komödianten, Künstler, aber auch private Personen je nach ihren Talenten musizieren, tanzen, Theater spielen und so die anderen Mitmenschen aufmuntern oder etwas Neues lehren. Der Sharing-Economy Trend ist in Frankreich schon seit einigen Jahren feststellbar, erhält nun aber durch die Covid-Zeit in Form von Nachbarschaftshilfe einen zusätzlichen Aspekt.

Ebenso nimmt das ohnehin stark verbreitete E-Payment zu. Kontaktloses Zahlen hat Vorrang, auch wenn es nur 1 Euro für sein Baguette ausmacht. Hohe Wertschätzung wird von der Bevölkerung dem gesamten Gesundheitssektor entgegengebracht. So ist das Klatschen täglich um 20:00 Uhr auf Balkonen und bei Hauseingängen als Wertschätzung für Krankenschwestern, Ärzte und Betreuungspersonal in Altersheimen zur Tradition geworden. Mitarbeiter mit direktem Menschenkontakt wie Kassier in Geschäften und jene, die für die Grundversorgung des täglichen Lebens arbeiten, wie Wasser-/Strom-/-Sicherheitstechnik, Reinigungsdienste, Telekommunikation, lokale Verkehrsmittel, Müllabfuhr, etc. werden wertschätzend vor den Vorhang geholt. Stars geben digitale Benefiz-Konzerte, um Hilfsorganisationen zu unterstützen, bedürftigen Personengruppen zu helfen oder zur allgemeinen Aufmunterung der Gesellschaft.

Trend zu gesünderem Leben durch Krise verstärkt

Franzosen sind Individualisten mit hohem Bedürfnis nach Bewegungsfreiheit, Meinungsfreiheit und dem Bestreben nach Einhaltung aller menschenrechtlichen Grundwerte. Eine Einschränkung des freien Personenverkehrs und des Reisens ist unvorstellbar. Ebenso des freien Warenverkehrs, des internationalen Handels und wirtschaftlichen Austausches. Frankreich ist Gründungsmitglied der G7 und die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Entsprechend hoch der Export, insbesondere bei Luxusgütern (Mode, Parfum, Genuß-Lebensmitteln), High-Tech, Flugzeugindustrie, etc.. Zugleich ist Frankreich auch ein wichtiger Importmarkt. Die Globalisierung generell wird keineswegs in Frage gestellt. Allerdings will man Produktionen gewisser Industriegüter sowie die Erzeugung von Medikamenten wieder nach Frankreich zurückholen, um unabhängiger von anderen Ländern - v.a. von China - zu sein.

Die Umwelt-, Klima- und Gesundheitspolitik gewinnt immer mehr an Bedeutung, insbesondere seit dem UN-Klimagipfel 2015 in Paris. Die Bevölkerung ist zunehmend sensibilisiert und der Trend zu einem gesünderen Leben wird durch die Covid-Krise zweifellos verstärkt. Der Absatz von biologischen Produkten stieg in den letzten drei Jahren um 20 % pro Jahr. Die Covid-Krise verstärkt den sogenannten "Circuit-court". Lokal produzierte Lebensmittel sollen auf dem kürzesten Weg auf den Tisch kommen. Restaurants sind seit 17.3. geschlossen, die Lebensmittelmärkte seit Anfang April zu, ein ganzer Wirtschaftszweig steht still. Als Alternative haben sich in 6 Wochen massiv Kurzdistributionswege und Nahversorgung entwickelt, vom Bauernhof (oder Großmarkt) direkt zum Verbraucher.

In puncto Reisen können die Franzosen ihren nächsten Urlaub kaum noch erwarten. Allerdings steht derzeit noch in den Sternen, wohin sie diesen Sommer reisen dürfen und welche Art von Reisen in den nächsten Jahren möglich sein wird. Bei Fernreisen wird es in den nächsten zwei/drei Jahren einen großen Rückgang geben. Für Österreich bestehen bei dieser Entwicklung sehr gute Chancen: Österreich hat in Frankreich ein ausgezeichnetes Image, was die intakte Naturlandschaft betrifft, Kultur-, Lebenskultur, kleine historische Städte, eine familiäre, persönlich geführte Hotellerie und hohe Gastgeberqualität in überschaubar kleinen Strukturen (weit entfernt von breiter Tourismusindustrie). V.a. aber hinsichtlich moderner Infrastrukturen und und einem dichten Netz in der Gesundheitsversorgung. Nun ist es besonders wichtig, unsere "Urlaubsjuwelen" sichtbar und hinsichtlich Anreise und Buchung einfach zugänglich zu machen.

Hoffnung auf Urlaub - auch im Ausland

Urlaub ist ein Grundbedürfnis geworden, das in allen Milieus tief verankert ist. Die Franzosen sehnen sich nach Urlaub. Viele Familien stehen in den Startlöchern und hoffen, trotz Covid doch in den Urlaub fahren zu können. Jedoch muss man derzeit noch abwarten. Die französische Regierung wird die Richtlinien zur Wiederaufnahme der Reisetätigkeit erst gegen Ende Mai kommunizieren. Dann wird alles davon abhängen, wie weit entfernt man von seinem Wohnsitz reisen darf und in welche Länder dies möglich sein wird. Sicher ist: Heuer werden Inlandsurlaube und erdgebundene europäische Destinationen höhere Chancen haben, somit zweifellos auch Österreich. Frankreich selbst ist weltweit Reisedestination Nr. 1 und daher sind Franzosen besonders tourismusaffin. Reisen, neue Kulturen entdecken, genießen, das liegt in ihrer DNA. Daran wird sich trotz Covid-19 grundsätzlich nichts ändern. Jedoch gibt es viele Anzeichen, dass sich das Reiseverhalten verändern wird. Reisen wird bewusster, nachhaltiger, achtsamer. Man will nicht mehr nur rasch viele touristische Angebote konsumieren, sondern wertschätzend genießen, den Menschen näher sein, sich Zeit nehmen für sich selbst, vielleicht ein Comeback der "guten alten Sommerfrische", passend zum aktuellen Zeitgeist.

All das können Österreichs Urlaubsdestinationen und ihre Gastgeber perfekt anbieten. Österreich genießt ein sehr gutes Image. Die österreichischen Regierungsmaßnahmen in Bezug auf das Covid-Lockerungs-Management werden in Frankreich sehr positiv aufgenommen. Dies gibt Vertrauen für Urlaub in einem sicheren, erdgebundenen Land mit moderner Infrastruktur und einem hoch qualifizierten, dichten Gesundheitsversorgungsnetz. Über Ischgl wurde sehr pragmatisch berichtet, ohne die Medien zu überschwemmen. Die generelle Auslandsreiseintensität der Franzosen liegt bei 22 %. Insgesamt 29 Mio. Auslandsreisen pro Jahr, Tendenz steigend. Einer Umfrage von Opinionway (v. 9.4. - 11.4.2020) zufolge, planen 54 % der französischen Auslandsurlauber trotz Covid-Krise auch heuer ins Ausland zu reisen. Davon sind 18 % ganz sicher und 36 % noch abwartend. 46 % der Auslandsurlauber hingegen bevorzugen dieses Jahr in Frankreich zu bleiben, davon 61 % am Meer. Der Tour Operating Verband SETO empfiehlt seinen Mitgliedern, alle Reisen frühestens ab dem 26. Juni einzubuchen. Fernreisen werden in den nächsten zwei/drei Jahren einen großen Einbruch erleben, ebenso Reisen mit großer Konzentration von Menschen wie z.B. Kreuzfahrten oder Riesen-Festivals. Dieses Potenzial wird sicher von europäischen Destinationen stark umworben werden. Es gilt, sich im B2C- wie auch im B2B-Segment zu positionieren.

Was es jetzt in der Kommunikation braucht

Aufnahme der persönlichen Kontakte zu Geschäftspartnern und Gästen. Eine E-Mail, ein Anruf, ein Newsletter... Jetzt Empathie zeigen und Vertrauen geben ist eine Investition für die nächsten Urlaubssaisonen. Dieses Jahr geht Information vor Werbung: Zuversicht und Vertrauen schaffen, Solidarität zeigen. Wichtig sind detaillierte Informationen über die weitgehenden Anstrengungen, die in der Region, Hotellerie, Gastronomie und von Freizeitanbietern unternommen werden, um Covid-Sicherheitsmaßnahmen, Verhaltensregeln und verstärkte Hygiene-Bestimmungen, etc. zu garantieren. Wenn möglich, flexible Stornierung anbieten, nur kleine Anzahlungen verlangen, Gutschriften oder kostenlose Verschiebung des Aufenthalts anbieten, sollte eine 2. Covid-Welle die Anreise nicht möglich machen. Zeigen Sie Bilder auf Ihrer Homepage/Social Media, wie Sie die Gesundheits- und Verhaltensmaßnahmen in Ihrer Region/Ihrem Betrieb umsetzen und leben.

Die französische Tourismusbranche berichtet derzeit von einer steigenden Anzahl an online Suchanfragen für den Sommerurlaub. Eine gut kontrollierte Covid-Eindämmung vorausgesetzt, gibt es Chancen für August, dem Haupturlaubsmonat der Franzosen und für den Herbst. Beschreiben Sie das Urlaubsangebot genau, damit sich der französische Gast der umfangreichen Leistungen bewusst ist. Das österreichische Angebot hat aufgrund seiner qualitätsvollen Strukturen meist ein besseres Preis-/Leistungsverhältnis als Frankreich selbst. 80 % der französischen Gäste sind Individual-Reisende, 50 % kommen mit dem eigenen Auto nach Österreich. Der Fachpresse zufolge sollte Air France 30 % des Flugverkehrs innerhalb Europas ab Juli wieder aufnehmen. 60 % der französischen Urlaubsgäste kommen im Sommer nach Österreich. Französische Auslandsurlauber verfügen über ein solides, kaufkräftiges Haushaltseinkommen und eine hohe Bildung.


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