China Mood Monitoring

China: Mood Monitoring

Ende Juli 2020: Entspannung und Wachsamkeit - erfreuliche Handelsdaten - Live-Streaming - Sicherheit durch Autokauf - COVID-19 und die Ausländer - Reisesehnsucht bleibt

"the new normal"

Die Lage entspannt sich in China zusehends und "the new normal" scheint sich weitestgehend durchzusetzen. D.h., mit einem gewissen Pragmatismus nimmt das tägliche Leben seinen Lauf - gespickt eben mit Überbleibsel aus der Hochphase der Infektionswelle: die Verwendung der "Health-App" am Handy zum Zutritt vieler Einrichtungen, Fiebermessen an vielen Eingängen, Desinfektionsmittel allerorts usw. Trotz Pragmatismus und nur einer Handvoll Neuinfektionen in einem Milliardenland herrscht weiter eine diffuse Angst. Die Warnung vor dem Virus und der Aufruf zum Kampf gegen das Virus wurden von der Regierung und ihren Medien intensiv wiederholt, sodass sich die Angst vor dem Virus beinahe als physische Gefahr an sich darstellt.

Gleichzeitig wird stets darauf hingewiesen, dass das Virus nun eigentlich nur mehr aus dem Ausland kommt und zwar wenn Auslandschinesen, meist Studenten, wieder nach Hause zurückkehren. Dadurch steigen Vorbehalte gegenüber dem Ausland und den Ausländern. Verstärkt wird dieses Gefühl durch zahlreiche (geo)politische Auseinandersetzungen und Diskussionen: "Handelskrieg" mit den USA, Spannungen im südchinesischen Meer, Diskussionen um Hongkong, Streitigkeiten mit Australien usw.

Welche Strategie ist erfolgreicher?

Interessant bleibt mittelfristig die Frage, ob sich Chinas Strategie der Null-Infektionen durchsetzt oder ob sich eher das europäische Modell des Abflachens der Infektionskurve auszahlt - oder ob letztlich beide Modelle - der jeweiligen Kultur entsprechend - von Erfolg gekrönt sein werden.

Erfreulich sind Chinas Handelszahlen im Juni, die sogar einen Anstieg im Vergleich zu 2019 auswiesen: Das deutet auf eine gute Erholung der chinesischen Wirtschaft, aber auch auf mehr Nachfrage auf den Weltmärkten hin. Wirtschaftliche Erholung berichten viele Branchen. Der Einzelhandel dürfte letzten Zahlen zufolge allerdings noch stark hinterherhinken.

Wenig erfährt man im Moment über Menschen, die in der Krise ihren Job verloren haben bzw. deren Gehalt drastisch gekürzt wurde. Es ist davon auszugehen, dass die Arbeitslosigkeit stark angestiegen ist und gerade die in den letzten Jahren aufstrebende Mittelschicht unter der wirtschaftlichen Last der COVID-19-Pandemie zu leiden hat.

Live-Streaming nimmt zu

Regelmäßig wird über den weiteren digitalen Aufschwung, der durch die Krise bedingt ist, berichtet. Zahlreiche Bereiche wie Bildung, Rechtswesen, Meeting- und Konferenzwesen, Medizin usw. haben nun einen starken digitalen Fokus, d.h. analoge bzw. persönliche Kommunikation wurde über weite Strecken ins Digitale verlagert.

Besonderer Beliebtheit erfreut sich immer mehr das "Live-Streaming", das in vielen Freizeitbereichen zur Anwendung kommt: Beauty, Kochen, Reise usw.

Konsumfreude führt zu Autokauf

Informationen aus der gehobenen Automobilindustrie zeigen einen im Vergleich zu Mai 2019 erhöhten Verkauf von Premiummarken. Das ist nicht allein auf einen Verkaufsstau aus den Shutdown-Monaten Februar und März 2020 zurückzuführen, sondern ein Hinweis auf verstärkte Konsumfreude unter der wohlhabenden Bevölkerung.

Mangels aktueller Alternativen (wie z.B. Reisen) gönnt man sich mit dem Kauf eines Neuwagens nach den schwierigen Zeiten etwas Besonderes. Käufe werden auch vorgezogen. Und es werden Autos für Familienmitglieder gekauft, um ihnen durch das Autofahren eine im Vergleich zu öffentlichen Verkehrsmitteln oder Taxis in Viruszeiten sicherere Fortbewegungsmöglichkeit zu bieten. Die Investition in einen gehobenen Neuwagen ist eine Mischung aus Belohnung, Convenience und Sicherheitsgefühl.

Feindbild Ausland

Das Ausland dient im Moment in vielerlei Hinsicht als Feindbild. Vor allem in der Bekämpfung des COVID-19-Virus wird konstant darauf hingewiesen, dass Neuinfektionen aus dem Ausland kommen - sei es durch Ausländer selbst, chinesische Rückkehrer aus dem Ausland und neuerdings Lebensmittel aus dem Ausland.

Reisen nach Österreich

Österreich wird wie viele Länder bezüglich seines Krisenmanagements und der Anzahl an Infektionen medial genau beobachtet. Bis dato wurde über Österreichs Auftreten gegen das Virus sehr positiv berichtet. Gleichzeitig wurde aber auch über kleine Infektionsherde wie z.B. in einem Zug zwischen Innsbruck und Wien berichtet. Auf großes Interesse stoßen immer wieder die Bestimmungen zum Maskentragen. Das Tragen der Maske wird als sehr positiv bewertet. Österreichs touristischer "recovery"-Plan mit den Serientestungen im Hotel- und Gastronomiebereich bzw. Investitionen im Tourismusmarketing wurde medial durchaus breiter Raum gegeben. Aus heutiger Sicht wird der Umgang mit der Corona-Pandemie, das Krisenmanagement sowie die Zahl der Infektionen ein wichtiger Grund für Reiseentscheidungen sein.

Reisesehnsüchte bleiben

Nach wie vor gilt es, im Gespräch bzw. in Erinnerung zu bleiben - sowohl im Bereich des b2b-Marketings als auch in der Kommunikation über digitale Medien. Auch wenn ein genauer Termin für den Start von Auslandsreisen nicht absehbar ist, bleibt vor allem in unserer Zielgruppe die Lust aufs Reisen bestehen.

Video und Podcast zu China

Peking, 30. April 2020: In dieser Folge der Podcast-Reihe ÖW Global geht es nach China. Wir sprechen mit unserem Kollegen Emanuel Lehner-Telič, der das Österreich Werbung-Marktbüro für den asiatischen Raum in Peking führt. Er berichtet über Reisebüros, die lebende Hühner verkaufen, eine Gesundheitsapp, ohne die das öffentliche Leben unzugänglich ist, und welche Möglichkeiten es gibt, österreichische Urlaubsprodukte den neuen Bedürfnissen der chinesischen Bevölkerung anzupassen.


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