China Facts

China: Facts

Aktuelle Situation

Am Wochenende vom 16.&17.5. fiel in Peking die Maskenpflicht im Freien. Das tägliche Leben nähert sich allmählich dem von vor der Krise an, auch wenn viele Menschen in Peking weiterhin den MNS im Freien tragen. In einigen Provinzen, darunter auch Shanghai, kommt es zu vereinzelten Neuinfektionen, meist eingeschleppt von Chinesen, die aus dem Ausland zurückkehrten. Auch in Wuhan gab es letzte Woche noch 6 Neuinfektionen, woraufhin der "10 Tages-Kampf" ausgerufen wurde, in dem alle 10 Millionen Einwohner Wuhans auf das Virus getestet werden sollten. Eine nordostchinesische Provinzstadt wurde aufgrund einiger Neuinfektionen komplett unter Quarantäne gestellt. Mit Jilin, Hauptstadt der gleichnamigen nordöstlichen Provinz, wurde am 13.5. wieder eine Millionenstadt abgesperrt. Alle Blicke richten sich auf die Ergebnisse des Nationalen Volkskongress. Von dort erwartet man sich weitere Informationen bzgl. Chinas Auslandsreisepolitik.

Laut mehreren gleichlautenden Zählungen gab es zu den Mai-Feiertagen 115 Millionen innerchinesische Reisende. Das ist zwar um 40 % weniger als noch 2019, aber doch ein deutlicher Schritt in Richtung Normalisierung. Auch das vergangene Wochenende (inkl. Muttertag in den kommerziellen Zentren des Landes) brachte mehr Leben im Freien, den beliebten Shopping-Centern und den Restaurants. Auch die Schul- und Universitätsöffnungstermine für Peking und somit der letzten Provinz sind nun mit Anfang Juni bekanntgegeben worden.

News aus der Branche

Die erleichterte Einreise nach China soll nun auch auf europäische Schlüsselkräfte (darunter auch Österreich) ausgeweitet werden. Medien berichten allerdings auch, dass es dieses Jahr für „normale“ Ausländer kaum mehr möglich sein werde, nach China einzureisen. Zahlreiche europäische Länder (darunter führend Deutschland, Österreich noch nicht) haben die Gelegenheit erhalten, sogenannte "Fast Track"-Verfahren einzuführen, um ihre Staatsbürger, die über eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für China verfügen, wieder ins Land zu bringen.
Von Behördenseite wurden die Gerüchte, es gäbe keine Neuausstellungen von Reisepässen mehr, dementiert. Trotzdem wurde von Auslandsreisen abgeraten. Reisepässe werden - wie in den sozialen Medien schon letzte Woche besprochen - nur mehr für Arbeit, Studium oder Trauerfälle im Ausland ausgestellt.

Die "Five One-rule" für internationale Passagierflugverbindungen wird nun bis Oktober beibehalten werden. Diese Regel besagt, dass eine Fluglinie aus einem Land von einer chinesischen Stadt zu einer internationalen Destination nicht öfter als einmal pro Woche fliegen darf. Das Landeverbot für chinesische Flugzeuge in Wien wurde bis Juni verlängert.

Die klassische Reiseveranstalterbranche, der es in vielen Fällen bereits vor Corona nicht besonders gut ging, hat mit den Folgen der ausbleibenden Reisenden stark zu kämpfen. Der Verkauf von Gruppenreisen ins Ausland sowie in andere chinesische Provinzen ist ihnen nicht erlaubt. Flugtickets können nur mehr direkt bei den Airlines gebucht werden. Verbleibende touristische Angebote sind Produkte innerhalb einer Provinz sowie Hotelbuchungen. Einerseits werden dramatische Verluste (z.B. CITS, etc.) erzielt, andererseits gibt es neue Eigentümerstrukturen (Die Online-Plattform JD.com steigt mit 7 % bei Caissa ein.). Branchenprimus Ctrip (Trip.com) verlor zwar binnen zweier Monate die Hälfte seines Börsenwertes, zeigt nun aber schon deutliche Anzeichen der Erholung. Ctrip profitiert in letzter Zeit von der Konzentration der diversen verpflichtenden Registrierungsprogramme für nationale Sehenswürdigkeiten auf seiner Plattform. Tuniu droht in diesen Tagen wegen Insolvenzgefahr (Aktienkurs seit mehr als 30 Tagen unter USD 1.-) ein "de-listing" auf NASDAQ. Zwei Vorstände wurden bereits ausgewechselt.

Umsatzrückgänge von ca. 50 % und Verluste verzeichneten Chinas größte Airlines (Air China, China Southern, China Eastern). Als Folge der Krise setzen die chinesischen Airlines verstärkt auf heimische Destinationen. Der Staat unterstützt die Fluglinien durch eine Reduktion des Kerosinpreises um ca. 50 %.

 

News aus lokalen Umfragen

Mehrere Umfragen und Studien, die in den letzten Tagen erschienen, zeigen die ungebrochene Sehnsucht der Chinesen nach Reisen. Allerdings sind Vorsicht und Sicherheit ein wichtiger Aspekt, weshalb insbesondere Inlandsreisen hoch im Kurs stehen. Für Auslandsreisen besteht zwar nach wie vor großes Interesse (Hier liegt bei den Wunschdestinationen Asien vor Europa und Ozeanien). Österreich gilt als Land, das die Corona-Krise sehr gut und konsequent meistert, weshalb es u.a. neben Ungarn und Polen in Europa als eines der ersten möglichen Reiseziele angesehen wird. Viele Reisehemmnisse (fehlende Flugverbindungen, fehlende Visaantragsmöglichkeiten, zu erwartende Quarantäne bei Rückkehr etc.) verzögern konkrete Planungen. Als erstes mögliches Datum eines Reisestarts ins Ausland wird die erste Oktober-Woche 2020 („golden week“) angesehen, als zweiter Hoffnungsanker die Ferien rund um das chinesische Neujahrsfest im Februar 2021.

In den Umfragen der letzten Tage gibt es weitere erwähnenswerte Details:

  • Die Auslandsreiseinteressierten werden jünger. Der Großteil ist nun unter 30 Jahre alt.
  • Das Interesse nach dem Premium-Segment steigt.
  • Die „Free Independent Traveler“ (FIT) gewinnen weiter an Bedeutung.
  • Die OTAs, allen voran Ctrip, werden im Zuge der gesamten „customer journey“ noch wichtiger.

Sowohl die Umfragen als auch eine Analyse sozialer Medien wie Weibo und Xiaohongshu bestätigen die Auslandsreiselust der Chinesen, spiegeln aber auch nach den „Lockdown“-Monaten die Sorgen bzgl. frei verfügbarer finanzieller und zeitlicher Mittel für Urlaubsreisen im Jahr 2020 wider.


Video und Podcast zu China

Peking, 30. April 2020: In der neuen Folge der Podcast-Reihe ÖW Global geht es nach China. Wir sprechen mit unserem Kollegen Emanuel Lehner-Telič, der das Österreich Werbung-Marktbüro für den asiatischen Raum in Peking führt. Er berichtet über Reisebüros, die lebende Hühner verkaufen, eine Gesundheitsapp, ohne die das öffentliche Leben unzugänglich ist, und welche Möglichkeiten es gibt, österreichische Urlaubsprodukte den neuen Bedürfnissen der chinesischen Bevölkerung anzupassen.


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