ÖBB Familie im Zug

Frankreich - intelligente Mobilität für morgen

Intelligente Mobilität für morgen

Mehr Mobilität für alle - im Einklang mit Umwelt und Gesellschaft

ÖBB Familie im Zug

Ein Bericht von Gudrun Bruchet, ÖW Frankreich

Mobilität ist ein Grundbedürfnis unserer Zeit – zentral für die Entwicklung der Industrie, des Wirtschaftsstandorts und unserer gesamten Gesellschaft. Dabei gilt es, das rasant steigende Verkehrsaufkommen nachhaltig, umweltfreundlich und sozial gerecht zu gestalten.

Der Transportbereich ist global gesehen zu ca. 1/3 verantwortlich für die Treibhausgasemissionen - daher ganz selbstverständlich, dass es in diesem Bereich zu bedeutenden Veränderungen kommen muss und auch wird. Das Ziel, die globale Erwärmung langfristig und deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, stellt besonders für den Verkehrsbereich eine große Herausforderung dar.

Die nationale und regionale Verkehrspolitik in Frankreich beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Mobilität. Im urbanen Gebiet (Metropole Paris, Bordeaux, Lyon, Marseille, Toulouse, …) geht die Entwicklung in Richtung Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes und einer globalen Vernetzung einzelner Mobilitätsangebote (Carsharing Plattformen, Rad, e-Bike, e-Motorrad, e-Car im Leihsystem, etc.) Das Milliardenprojekt „Grand Paris“ ist in Umsetzung und sieht massive Reduktion des Autoverkehrs zur Minderung der Umwelt- und Lärmbelastung vor. Man will Lebensraum für Menschen schaffen in Form von Grünanlagen und Fußgängerzonen, denn derzeit nehmen Autos noch 50% der Stadtfläche ein!

Politik und Tourismus arbeiten sehr eng zusammen. Der Tourismus baut auf neu entstehende Mobilitätsangebote auf und versucht in existierenden Tourismuskonzepten auf den Klimawandel einzugehen und diese in eine nachhaltige Richtung zu lenken. Die jährlich 85 Millionen Ankünfte summieren sich mit dem sehr hohen Inlandsreiseaufkommen und machen einen bedeutenden Anteil des täglichen Verkehrsgeschehens aus.

Eine vom Umweltministerium koordinierte Initiative sind die als Verein organsierten 38 „Grands Sites de France“ quer durch Frankreich. Diese Ausflugsorte, -regionen sind absolute Naturparadiese und ziehen im Jahr ca. 32 Millionen Touristen an. Eine gemeinsame Philosophie und Entwicklungspolitik nach sehr strengen Kriterien erleichtert eine überregionale Zusammenarbeit. Die Governance erfolgt nach dem Prinzip von nachhaltiger Entwicklung. Gut vernetzte einzelne Mobilitätsangebote ermutigen den Besucher zum Entdecken der Natur und motivieren zum Autoverzicht.

Enorme Geldmittel sind zur Finanzierung der geplanten Maßnahmen gegen den Klimawandel notwendig. Frankreich war Vorreiter und begann Ende 2016 als erstes Euro-Land Green Bonds (7 Mrd. €) zu emittieren. Forschungsprojekte, Öko-Innovationen aber insbesondere auch smarte Verkehrskonzepte werden damit finanziert.

Frankreich glaubt an Elon Musks Projekt Hyperloop (Transportsystem mit Zügen, welche mit hoher Geschwindigkeit in einer Niedrigdruckröhre hin und her rasen). Die nationale Bahngesellschaft SNCF investierte als einer der wichtigsten Geldgeber in das Projekt HYPERLOOP ONE. Mitte Jänner dieses Jahres hat auch HYPERLOOP TTsich dazu entschlossen im „Aerospace Valley“ nahe Toulouse ein großes Forschungszentrum zu eröffnen.  Große Distanzen sollen in Minutenschnelle zurückgelegt werden und das quasi ohne Treibstoff!

Ein anderes Projekt – Sea Bubbles, die fliegenden CO² neutralenTaxis – werden in den nächsten Wochen in Paris auf der Seine zum Einsatz kommen. Diese Innovation soll in den kommenden 5 Jahren in bis zu 50 französischen Städten implementiert werden und zum Teil des öffentlichen Verkehrsnetzes werden.

Solarzellen auf Frankreichs Straßen? Das ist die Absicht von Bouygues-Firma Wattway, welche Ende 2016 die erste Solarstraße in Frankreich einweihte. Derzeit (noch) ein teures Pflaster, welches aber Schritt für Schritt weiterentwickelt wird und woran zahlreiche Ingenieure, die Industrie wie auch Politik hierzulande glauben.