Als Leiter Forschung am NIT, Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa, in Kiel beschäftigt er sich seit 1986 in Wissenschaft und Praxis mit Touristen und Tourismus.
Er geht der Frage nach, ob Urlaub bzw. Urlaub in Österreich glücklich macht. Was hat der Mensch von einer Urlaubsreise? Erholung? Gesundheit? Schönheit? Wird man gescheiter, sportlicher, entspannter? Und wenn: Hängt das von der Destination ab oder von der Urlaubsform oder vom Reisenden selbst oder oder oder...
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Macht Urlaub glücklich? Macht Österreich glücklich?
Die Verbindung von Erholung und Urlaub erscheint so offensichtlich, dass sie bisher kaum kritisch hinterfragt worden ist. Ob, wann und wie welche Urlaubsaufenthalte unter der Erholungsperspektive zweckmäßig sind, ist also noch weitgehend offen. Über die Fragen des „Kundennutzens" von Urlaubsreisen haben sich sowohl die Branche als auch die Wissenschaft bislang zu wenig Gedan-ken gemacht und es gibt nur wenige empirische Untersuchungen. Da verwundert es nicht, dass das Thema im Marketing, besonders in der Produktgestaltung, explizit nur eine geringe Rolle spielt.
In der Werbung für Österreich wird das Thema seit kurzem aber besonders betont: Mir, dem po-tenziellen Kunden, wird gezeigt, „wo das Urlaubsglück zu finden ist", es gibt „Badespaß und Schwimmvergnügen für Groß und Klein" und ich kann und darf „gesund genießen". So werden es „perfekte Ferien" und man fragt sich, warum überhaupt jemand auf den abstrusen Gedanken kommt, einen Urlaub außerhalb Österreichs zu machen.
Wäre es nicht großartig, wenn man zeigen könnte, dass bei Ferien in der Destination X der Kundennutzen größer wäre als in der Destination Y? Wenn man wüsste, wie man ein Urlaubsprodukt konstruieren muss, damit sich der Gast wirklich erholt? Umgekehrt gibt es bei diesem Thema auch Risiken, es wird ja nicht jeder glücklich in den Ferien, nicht jede kehrt erholt zurück, die ganzen schönen Erwartungen enttäuscht. Ist es nicht die Aufgabe der Tourismusakteure, so etwas so weit wie möglich zu vermeiden?
Der Beitrag fasst das aktuelle Wissen zu diesem Thema zusammen, strukturiert die Erkenntnisse und die offenen Fragen und prüft, was man daraus für den Urlaub in Österreich ableiten kann: Was ist der Nutzen des Urlaubs? Worauf legen die Ferienmenschen besonderen Wert? Was ist Erho-lung? Was unterscheidet einen urlaubserholten Menschen von einem nicht erholten? Was führt zu Erholungsbedürftigkeit? Ist urlauben gut, um sich zu erholen? Wie viel Erholung hat der Mensch vom Reisen? Kann man Erholung irgendwie messen? Was bedeutet das für Österreich?
Ganz besonders wichtig sind die Effekte des Urlaubs, wenn sie - wie etwa beim Gesundheitsurlaub - zu den Versprechungen des Anbieters gehören. Gelänge der Nachweis bestimmter Ur-laubseffekte, so wäre dies auch ein Beleg für die wichtige Funktion, die Urlaubsreisen im Bereich Gesundheit i.S. von Prävention und Stabilisierung möglicherweise zukommt.
Bisherige Untersuchungen haben ergeben, dass in der Regel positive Effekte (i.S. von Erholung) von Urlaub zu finden sind. Die Erholungswirkung hängt u.a. von der vorausgegangenen und der nachfolgenden Belastung ab. Die Erholung selbst ist ein Prozess, der mit psychologischen und physiologischen Messverfahren abgebildet werden kann. Erholte Personen fühlen sich gesunder, weniger müde, sind in besserer Stimmung, weniger gereizt, dafür ausgeglichener und kommen besser mit den Widrigkeiten des Alltags zurecht. Deutlich wird aber auch, dass diese Effekte von relativ kurzer Dauer sind.
Die Ergebnisse zeigen, dass man gerade in diesem Fall wirklich nicht alle und alles „über einen Kamm scheren kann". Ob und wie viel Erholung jemand braucht und wie er zu der gesuchten Er-holung kommt, ist in erster Linie individuell und stark von den Beanspruchungen im Alltagsleben abhängig. Andererseits ist der Wunsch nach Erholung, die Sehnsucht nach dem Urlaubsglück so allgemein, dass man als Tourismusanbieter dieses Thema sehr ernst nehmen muss.
Erholung wird auf absehbare Zeit das zentrale Urlaubsmotiv bleiben. Ob dieser erwartete „Produktnutzen" eintritt, lässt sich messen. Die bisherigen Untersuchungen machen deutlich, dass diese Erholung auch gefunden wird, und zwar besonders dann, wenn die Charakteristika des Angebotes mit der spezifischen Situation des Gastes zusammen passen. Aber natürlich kann man sich auch in einem erholsamen Urlaub immer noch ein Bein brechen.
22.11.2011

