Gastbeitrag von Generalsekretär des Dr. Robert Hink, Österreichischer Gemeindebund
Die Positionierung des Tourismus in Österreich erfolgt auf vier Ebenen mit einer Vielzahl von Akteuren. Neben dem Bund und den Ländern bilden regional die rund 80 Destinationen und über 150 Tourismusverbände die dritte Säule. Das tatsächliche Angebot und damit der direkte Kontakt zu den Gästen erfolgt jedoch auf der vierten Ebene – lokal durch die Gemeinden.
Statistisch als Tourismusgemeinden erfasst sind 1.579 der 2.357 österreichischen Gemeinden. Als Tourismusgemeinden werden jene Orte ausgewiesen, in denen jährlich mehr als 1.000 Gäste nächtigen. Vor Ort gibt es mehrere hundert Gemeindetourismusorganisationen bei denen meist der Bürgermeister eingebunden ist oder sogar an der Spitze steht beziehungsweise der Gemeinderat für die Positionierung, Aktivitäten und letztlich auch Finanzierung verantwortlich ist.
Die Gemeinden erbringen dabei tagtäglich jene Leistungen, die nur allzu gerne von Hoteliers und Gewerbetreibenden aber auch anderen Tourismusverantwortlichen entweder übersehen oder als selbstverständlich hingenommen und sogar eingefordert werden, die aber die essentiellste aller Voraussetzungen für einen funktionierenden Tourismus sind. Nur um einem etwaigem Missverständnis vorzubeugen: Die Gemeinden erbringen diese Leistungen gerne, es geht ihnen nicht darum damit die Hotellerie und die Tourismuswirtschaft unter Druck zu setzen oder zu maßregeln. Es geht uns darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass erfolgreicher Tourismus das Ergebnis partnerschaftlichen Zusammenwirkens zwischen der Wirtschaft und den Gemeinden ist.
Marketing und Werbung:
In Österreich steht bundesweit jährlich ein Gesamtbudget von über 50 Millionen Euro für Marketingaktivitäten nationaler Organisationen zur Verfügung. Jährlich finanzieren die Gemeinden selbst auf regionaler Ebene zusätzlich über 130 Millionen Euro. Dieser Betrag wird im Tourismus direkt für Förderungen, Unterstützungen, spezifische Investitionen oder Kommunikationsmaßnahmen verwendet und fließt oftmals in die Gemeindetourismusorganisationen. Die Hauptleistungen erbringen die Gemeinden allerdings nicht durch Direktfinanzierungen, sondern investieren quasi hinter den Kulissen in indirekte Maßnahmen.
Infrastruktur:
Touristisch stark frequentierte und ausgelastete Gemeinden müssen eine entsprechend größere Infrastrukturkapazität bereithalten, die auch den Belastungen in Spitzenzeiten Stand hält. Da die Zahl der Nächtigungen oft das fünf bis zehnfache der Einwohnerzahl erreicht, müssen alle Versorgungseinrichtungen für diese tatsächlichen Beanspruchungen dimensioniert sein. Zu den Bereichen, die von den Gemeinden dabei abgedeckt werden zählen das Kanal- und Wassernetz, das die ausreichende Versorgung jedes Beherbergungsbetriebes gewährleisten muss, ebenso wie die Müllentsorgung bei Gewerbebetrieben aber auch auf öffentlichen Flächen. Alleine in die kommunale Wasserinfrastruktur investieren die Gemeinden jährlich über 600 Millionen Euro und sorgen mit dieser Summe dafür, dass alle Gäste immer sauberes Wasser haben.
Verkehr
Die verstärkte Nachfrage nach Mobilität nimmt in erster Linie die Gemeinden in die Pflicht, die die nötige Straßeninfrastruktur zu errichten haben. Der Erhalt und die Wartung von 70.000 km Gemeindestraßen ist eine große Herausforderung für die Kommunen. Dazu kommen 43.000 km Güterwege, die vielfach auch als Wander- oder Reitwege genutzt werden. Zusammen mit der Neuerrichtung von Straßen investieren die Kommunen jährlich eine Milliarde Euro. Speziell für Tagestouristen müssen bei Ausflugszielen und Skigebieten die nötigen Parkplätze zur Verfügung stehen. Im Winter ist die Gemeinde auf diesen Straßen verantwortlich für die nötigen Räum- und Streudienste, um nicht nur die optimale Anreise, sondern vor allem auch die nötige Sicherheit zu gewährleisten.
Sicherheit
Die Sicherheit muss aber nicht nur bei der Anreise, sondern auch vor Ort gewährleistet werden. Egal ob es sich um die feuerpolizeiliche Beaufsichtigung einer touristischen Veranstaltung, die Erarbeitung und Überprüfung eines ausreichenden Sicherheitskonzeptes oder sonstige Maßnahmen der örtlichen Sicherheitspolizei handelt – der Bürgermeister als Letztverantwortlicher muss die nötigen Entscheidungen treffen, um das Wohlergehen der Gäste abzusichern. Auch als Mitglied der örtlichen Lawinenkommission ist der Bürgermeister im Winter dafür mitverantwortlich, dass weder der Spaß massiv beeinträchtigt wird, aber auch kein unnötiges Risiko eingegangen wird. Und wenn doch einmal etwas passiert, ist ein gut funktionierendes (Berg)Rettungssystem nötig, das rasch die nötigen Erste-Hilfe Leistungen gewährleistet. Die Gemeinden sorgen wieder als bedeutender Finanzier der örtlichen Blaulichtorganisationen für die Aufrechterhaltung dieses Notfallsystems.
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