Die besten Erzähler dem Tourismus!
Als Leiter des Wien Museum am Karlsplatz und Mitbegründer der Ö1-Sendung „Diagonal – Radio für Zeitgenossen“ ist Wolfgang Kos brillanter Erzähler und Arrangeur von Bildern. Im Interview mit Eleonore Gudmundsson, Unternehmenssprecherin der ÖW, reflektiert er die Bedeutung des Storytellings.
Erzählen lässt Bilder im Kopf entstehen. Worum geht Ihnen beim Erzählen?
Mir geht es immer um ein anderes Erzählen, um ein Kämpfen um Interesse. Radio etwa lebt mit der Angst, dass jemand abschaltet und weg geht.
Das beste Storytelling im Fernsehen waren immer die Dokumentationen des Meeresbiologen Cousteau. Der hat am Anfang immer mindestens 10 Minuten gebraucht, um ein Problem zu formulieren. Auch wenn es Scheinprobleme waren, zum Beispiel: Können Biber im Quebec River einen 600 Meter langen Damm bauen? Das war noch nie erforscht worden.
Ich glaubte kein Wort, aber das war eine rhetorische Vorgabe, um mich auch zu interessieren.
Ob Erzählung, Ausstellung, Radiosendung oder was auch immer: Sie müssen einen Partner finden, der ihre Frage teilt. Es muss eine Spannung da sein, ein „Doppelpunkt“.
Was heißt in diesem Sinne Storytelling?
Storytelling heißt: Ich brauche früh einen „Doppelpunkt“. Der zieht etwas nach sich. Und dann gibt es hundert Möglichkeiten, zu erzählen. Aber ich muss dem Ziel näher kommen, darf es nicht aus dem Kopf verlieren. Etwa bei einer Ausstellung: Ich muss im vierten Raum noch wissen, warum diese Ausstellung gemacht wurde.
Hängen hier nur Bilder von Velasquez nebeneinander, oder soll erstmals herausgearbeitet werden, ob man aus Bildern von Velasquez etwas über die Erziehung der Kinder dieser Zeit erfahren kann, über höfische Abrichtung.
Es ist eine Partnerschaft in Neugierde.
Menschen, die Impulsreferate halten, Keynotespeaker, sie alle müssen einen Doppelpunkt schaffen, der bei künftigen Arbeitsgruppen etwas nach sich zieht. Und vielleicht haben am Ende sechzig Menschen das Gefühl, gemeinsam eine Geschichte durchlebt zu haben. Das geht nicht ohne starken Anfang!
In der Werbung kennt man Anreize, Teaser. Man beginnt mit Andeutungen, vielleicht auch Thesen, die man noch gar nicht versteht, die dann langsam unterfüttert werden.
Ausstellungen brauchen einen Anfang - so wie Radiosendungen. Im Museum beginnt die Story damit, dass ich Leute begrüße mit einem Doppelpunkt – einer Einladung oder einem Animo: „Darum geht es hier. Deshalb seid ihr da. Bleibt interessiert. Kommt mit auf die Reise. Ich bin dafür verantwortlich, dass ihr mir nicht aus der Geschichte aussteigt.“
Bei „Und-Geschichten“ funktioniert das nicht! „..weiters könnte man noch sagen, dass…, weiters war Herr sowieso auch Apotheker… ferner könnte man noch feststellen, dass in dieser Zeit das Standrecht herrschte…“ Es gibt viele Ausstellungen und Prospekte, die so abgefasst sind.
Als Meister der Kohärenz sind Werbetexter die besten Storyteller. Sie schaffen es, in zwei Zeilen oder einem Slogan eine Welt aufzubauen. Und auch hier ist der Anfang das Wichtigste.
Das Wien Museum erzählt Einzelgeschichten seiner Stadt. Theoretisch gibt es unendlich viele Geschichten. Wie wählen Sie aus? Gilt Was ist wichtig, was ist interessant, was ist neu? ...
… Antwort auf diese und weitere Fragen zum Storytelling finden Sie in der aktuellen Printausgabe des bulletin Dezember 07, die bei der ÖW erhältlich ist.
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