Im Rahmen des Messe-Auftritts bei der letzten ITB nahm eine Fachjury aus namhaften Reiseveranstaltern, ausgewählten Fachjournalisten und Besuchern 33 österreichische Angebote näher unter die Lupe. Serfaus-Fiss-Ladis ging bei diesem Best of-Award der ÖW als Gesamtsieger in allen Kategorien hervor. In den Einzelkategorien "Gesundheit & Wellness" überzeugten das Steirische Thermenland mit dem Rogner Bad Blumau und das Schneedorf Sölden die Jury. Die "Kulinarische Schatzsuche" durch die Steiermark und das Loisium in Niederösterreich reüssierten in der Kategorie "Stadt & Kultur", das Angebot "Abenteuer Berge" in Serfaus begeisterte auch in der Einzelkategorie "Outdoor & Wandern".
Jürgen Drensek, Verbandsvorsitzender der deutschen Reisejournalisten, hielt anlässlich der Preisverleihung eine Laudatio mit kritischen Untertönen und einen flammenden Appell an Österreichs Touristiker zu mehr Mut und Kreativität.
"Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden ...", schmachtet der Oberkellner Ferdinand im Weißen Rössl und viele Millionen Deutsche haben seitdem Jahr für Jahr unter Beweis gestellt, dass man nicht nur im Salzkammergut lustig sein kann.
Unauslöschliche Erinnerungen an die Brotzeit auf der Alm, das Herumtollen mit den Buben der Pensionswirtin, die unglaublich große Himbeertorte im Café zur schönen Aussicht oder das sooo niedliche Kaninchen vom Bauern, mit dem man jeden Tag spielen durfte ...Österreich hat damit – wahrscheinlich ohne es zu wissen – einen Schatz aufgebaut, den man in der touristischen Welt überhaupt nicht wertvoll genug einschätzen kann. Denk ich an Urlaub, denk ich an Österreich. Da mögen die Hoteliers auf Mallorca noch so erfolgreich sein, und der Teutonengrill sonst wo am Mittelmeer die Sonnenhungrigen noch so knusprig braun braten. Urlaub ist eben mehr, das sind Träume im Kopf; gute Gefühle, bei denen man gar nicht so genau weiß, woher sie kommen.
Urlaubs-Lieblingstante
Zugegeben, Österreich ist zwischenzeitlich ein wenig aus der Mode gekommen, aber als Urlaubs-Lieblingstante ist dieses Land immer noch nicht out. Auch junge Menschen entdecken zunehmend wieder, dass Österreich einen gewissen Sexappeal hat – wenn die Verpackung stimmt, ohne die heute ja gar nichts mehr geht.
Also alles wunderbar in Ordnung? Die tiefenpsychologisch verankerte Ferien-Liebe der Deutschen zum Nachbarn ist das eine – vielleicht ausreichend für eine ganz passable Ehe ohne unbändige Leidenschaft – aber, um das Urlauberherz zu entflammen, ist heute mehr nötig. Mit ihrem "Best of Austria"-Konzept haben die Österreich-Werber einen im Prinzip richtigen Schritt gesetzt. Sie müssen ja eine touristische Nation vermarkten, die so viel bietet. In jedem einzelnen Bundesland gibt es eine Art Wundertüte, aus der man vermeintlich alles zaubern kann, was das Urlauberherz begehrt. Aber jeder regionale Touristiker würde sich eher die Zunge abbeißen, als einzugestehen, dass man woanders im glücklichen Austria vielleicht doch ein bisschen besser wandern, gesundbaden, faulenzen oder flirten kann als in der eigenen Gemarkung.
Appetithäppchen
Nun, was bei professionellen Strategiesitzungen als logisch akzeptiert wird, was hochbezahlte Fachleute – Diversifizierung – als Königsweg für die Zukunft des touristischen Werbens ansehen – das zählt anscheinend nicht viel bei den Propheten im eigenen Land. Worum geht es beim Best-of-Konzept? Die Aufgabe klingt doch simpel: Schauen Sie sich in Ihrem eigenen Bereich um, besinnen Sie sich auf Ihre Stärken und basteln daraus ein Angebot, das so verführerisch klingt, dass jeder urlaubsreife Mensch das eigentlich sofort machen möchte und gar nicht mehr abwarten kann. Haben Sie Mut zur Lücke. Pars pro toto. Das eine Angebot als Appetithäppchen für das reichhaltige Menü, das ebenfalls darauf wartet, verspeist zu werden. ...
Aber wo wir als Jury des Best of-Austria-Awards die schiere Erotik der touristischen Angebote erwarten wollten, da boten die meisten österreichischen Regionen die lange Unterhose, Feinripp voller Wollmäuse und in mausgrau. Dass wir uns nicht falsch verstehen. Nicht das "Angebot Österreich" ist der Liebestöter, die meisten Tourismus-Verantwortlichen sind es. Bis auf einige rühmliche Ausnahmen wie etwa der Kategorien-Sieger Serfaus-Fiss-Ladis war es bei diesem ITB.Award der Österreich Werbung kein Feinschmecker-Menü, sondern uninspirierte Kantinenkost. Standard-Angebote aus der Schublade der Versatzstücke.
Garantiertes Erlebnis
Alle kennen den Trend der letzten Jahre. Die Menschen kommen immer kürzer nach Österreich. Wer aber kurz kommt, der möchte die große Emotion kompakt. Der möchte ein Paket – auch wenn es so nicht heißt, weil man ja so gerne snobistisch-individuell sein mag – das ihm das Erlebnis garantiert. Also nicht schreiben, wir haben tolle Wiesen mit saftigen Kräutern. Klar, davon gehe ich doch aus, dass es in Österreich schön ist und urig. Ich will die Gourmetplatte. Bastelt mir doch das Kräuter-Opa-Erlebnis für das verlängerte Wochenende. Oder die Woche Almurlaub, die organisiert ist, wie früher das Wandern ohne Gepäck. Kombiniert Stadtprogramme von kreativen Agenturen und lasst die Leute ihren eigenen Film im Kopf inszenieren. Sprich: Seid doch einmal furchtbar kreativ.
Der Best-of-Ansatz erfordert Mut. Denn natürlich bedeutet er Diskussion vor Ort. Der Spezi vom Obmann wird sich vielleicht beschweren, dass die Zenzi vom ewigen Konkurrenten hier prominent präsentiert wird. Das müssen Sie auch mal aushalten. Denn die Zenzi ist der Fliegenfänger, damit auch der Spezi sein Angebot verkauft.
Weitere Ideen und Vorschläge für das "Best of Austria"-Konzept, lesen Sie in der Printausgabe April 07 des bulletin, die bei der ÖW erhälich ist.
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