Paradiesische Zeiten werden anbrechen, prophezeite der schwedische Physiker Svante Arrhenius anno 1896, denn auf der Erde werde es immer heißer. Das Treibhausgas Kohlendioxid, das die Menschheit in die Atmosphäre pustet, ließe die Temperaturen weltweit steigen, errechnete der spätere Nobelpreisträger. Missernten und Hungersnöte gehörten damit der Vergangenheit an. „Das Klima wird ausgeglichener und besser“, schwärmte der schwedische Wissenschafter.
Der Klimawandel – kein neues Thema also – beschäftigte und beschäftigt schrille Propheten, liefert Berufspessimisten jede Menge Stoff, sorgt für neue Geschäftsideen und verleitet Verbalakrobaten zu wahren Meisterstücken. Kostprobe gefällig? Im Zusammenhang mit der zunehmenden Erderwärmung ist da von „Viagra für den lendenlahmen Sommertourismus“ die Rede oder vom „Kunstschnee als Emanzipation vom Naturschnee“, sollte Frau Holle ihre Gunst versagen.
Kilimandscharo bald ohne Eis?
Trotz aller kuriosen Wortmeldungen: Die steigenden Temperaturen in der Erdatmosphäre gelten seit vielen Jahren als Topic unter seriösen Wissenschaftern, die unserem Globus dramatische Veränderungen vorhersagen. Hier einige Szenarien, die Physiker, Klimatologen und Meteorologen auf der ITB Anfang März in Berlin präsentierten: Bereits 2015 wird das ewige Eis auf dem Kilimandscharo Geschichte sein. Im Jahr 2030 liegen die Temperaturen an der Alpennordseite im Winter um durchschnittlich 1,8 Grad höher. Sollten die Menschen die Emissionen an Treibhausgasen nicht einschränken, erhöht sich bis 2100 die durchschnittliche Temperatur im sommerlichen Europa um sieben Grad gegenüber heute. Der Meeresspiegel steigt um bis zu 1,25 Meter. …
Drastische Zukunftsbilder, die hier entworfen wurden. Aber, dass es auf der Erde immer wärmer wird, scheint ein unbestreitbares Faktum – und diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen für den Tourismus, global und regional. Unter dem Titel „Klimawandel und Tourismus: Wohin geht die Reise?“ nimmt sich eine Studie der Deutschen Bank der Auswirkungen des weltweiten Temperaturanstiegs auf die touristischen Regionen an. Der Fokus der Studienautoren galt dabei den ökonomischen Gewinnern und Verlierern der Folgen des Klimawandels.
Mehr Chancen im Sommer
Österreichs Tourismus könnte laut der Analyse der Deutschen Bank mit einem blauen Auge davon kommen, wobei die Deutsche Bank für 2030 folgende Prognosen parat hat: Im Winter wird es in Österreichs Alpenregionen zwar mehr Niederschläge geben, die sich aber in niedrigeren Regionen unter 1200 bis 1500 Metern häufiger in Form von Regen statt weißer Flocken manifestieren könnten. In der Folge leidet die Schneesicherheit. Künstliche Beschneiung ist nur dann eine Alternative, wenn es Temperatur- und Luftbedingungen auch zulassen. Der Sommertourismus gewinnt durch höhere Temperaturen an Attraktivität, u. a. weil Österreichs Seen und Berge – dann beinahe mit Schönwettergarantie – jene Gäste locken, die die heißen Mittelmeerdestinationen meiden. Für den Wander- und Wellnessurlaub verbessern sich ebenfalls die Chancen. Unter dem Strich, so die Autoren der Studie, überwiegen für Österreich jedoch die negativen Effekte im Wintertourismus (www.dbresearch.de)
Lesen Sie mehr über den Klimawandel sowie über klimaneutrale Urlaubsangebote in der aktuellen Printausgabe des bulletin April-Mai 08, die bei der ÖW erhältlich ist.
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