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Porträt Barbara Van Melle
Barbara Van Melle
Slow Food

Vom guten Geschmack

Barbara van Melle steht an der Spitze der österreichischen Slow-Food-Bewegung, zu deren Zielen der Erhalt traditioneller Lebensmittel zählt. Im bulletin-Interview spricht die leidenschaftliche Köchin über Genuss und ihre Ziele.

bulletin: Sie haben als ORF-Moderatorin Karriere gemacht. Wie sind Sie mit dem Thema Kulinarik in Kontakt gekommen?
Van Melle: Schon in sehr jungen Jahren – da war ich privilegiert: Meine Mutter hat ausgezeichnet gekocht. Ich wusste schon als kleines Kind, wie Speisen schmecken sollen. Bereits mit zwölf Jahren hatte ich eine kleine Kochbuchsammlung und stand selbst in der Küche. Als Wissenschaftsredakteurin beim ORF habe ich mich auch mit Fragen der Nahrungsmittelproduktion beschäftigt. Und mit der Sendung „Schöner leben“, die ich moderierte, konnte ich das Hobby mit dem Beruf verbinden.

Was hat Sie mit der Slow-Food-Bewegung in Verbindung gebracht?
Eigentlich die Amerikaner. Der Regisseur Peter Sellars, mit dem ich bei den Wiener Festwochen 2006 zusammenarbeitete und mich anfreundete, brachte mich mit Alice Waters, der Vizepräsidentin von Slow Food International, zusammen. Gemeinsam besuchten wir dann die „Terra Madre“ in Turin, den großen internationalen Slow-Food-Kongress, der alle zwei Jahre in Turin stattfindet. Dort präsentieren Produzenten aus aller Welt die Vielfalt authentisch erzeugter Lebensmittel. Österreichische Lebensmittel waren damals überhaupt nicht vertreten, und da dachte ich, da muss etwas gemacht werden.

Was bedeutet Genuss für Sie?
Genuss ist für mich die Reduktion auf das Wesentliche, den ursprünglichen Geschmack von Lebensmitteln entdecken.

Wie lautet die Philosophie der Slow-Food-Vereinigung?
Konsumenten haben ein Recht auf Genuss, auf Lebensmittel, die gut, sauber und fair erzeugt werden. Außerdem steht Slow Food für die Erhaltung der Biodiversität. Wir versuchen dem Fast Food und dem Fast Life entgegenzuwirken. Wir wollen verhindern, dass lokale Esstraditionen in Vergessenheit geraten.

Welche Ziele haben Sie sich als Repräsentantin der österreichischen Slow-Food-Bewegung gesteckt?
Ich werde mich heuer unter anderem darum bemühen, Österreich auf der „Terra Madre“ sichtbar zu machen, die im Oktober gemeinsam mit dem „Salone del Gusto“ in Turin stattfindet. Denn Österreichs kulinarische Traditionen haben es verdient, ins Rampenlicht gestellt zu werden.

Wie vermarkten Sie die österreichische Slow-Food-Organisation bzw. wie tragen Sie den Slow-Food-Gedanken zum Konsumenten?
Wir versuchen, den Konsumenten die Wertigkeit von Lebensmitteln zu vermitteln. Glücklicherweise gibt es ein riesiges Bedürfnis nach echten und unverfälschten landwirtschaftlichen Produkten. Das hat die österreichische „Terra Madre“, die wir im Vorjahr in Wien zum zweiten Mal organisierten, einmal mehr gezeigt. Produkte die nach Slow-Food-Kriterien erzeugt sind, sind in Feinkostläden und auf einzelnen Märkten in den Bundesländerhauptstädten zu haben, können aber auch in der Online-Greißlerei www.vielfalt.com gekauft werden. Außerdem kooperieren wir mit einzelnen Restaurants und kleinen Lebensmittelhändlern.

Können Sie Ihre Kooperation mit der heimischen Gastronomie näher beschreiben?
Heuer ist erstmals ein österreichischer Slow-Food-Gastronomieführer erschienen, der in Zusammenarbeit mit unseren Convivien in den Bundesländern entstanden ist. Aber im Prinzip ist es nicht unsere Aufgabe, die Gastronomie zu überzeugen. Wenn jemand unseren Weg gehen will, unterstützen wir ihn gerne.

Wo sehen Sie Potenzial für eine weitere Zusammenarbeit der Tourismusbranche mit der Slow-Food-Vereinigung?
Zum Beispiel lassen sich Landwirtschaft und Tourismus unter dem Motto „Slow Travel“ viel enger verknüpfen, indem Gäste etwa durch Mithilfe bei der Ernte oder der Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen den Ursprung der Lebensmittelproduktion erleben. Um das nachhaltige, lokale Lebensmittelhandwerk lassen sich auch viele Geschichten erzählen, die Gäste mit Interesse an authentischer Kulinarik begeistern können. Was Slow Food Österreich da in Sachen Erlebnismarketing einbringen kann – gleichsam als Weiterentwicklung von „Urlaub am Bauernhof“ –, darüber denke ich ernsthaft nach.

Wie Slow Food Österreich mit der „Arche des Geschmacks“ alte Kulturpflanzensorten und gefährdete Nutztierrassen schützt und wieder sichtbar macht, lesen Sie in der aktuellen Printausgabe des bulletin Februar/März 2012, die bei der Österreich Werbung erhältlich ist.

Den gesamten Text lesen Sie hier ab Seite 30:



Barbara van Melle auf Facebook

www.slowfoodaustria.at

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07.02.2012
 
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