Lateinamerika: Kultur-Station Österreich
Nach einer Flaute um die Jahrtausendwende zeigt die Wirtschaftskurve nun in vielen lateinamerikanischen Staaten wieder konstant nach oben – erfreulicherweise auch in den für österreichischen Tourismus relevanten Schwerpunktmärkten Argentinien, Brasilien und Mexiko. Zweistellige Zuwachsraten bei Ankünften und Nächtigungen in Österreich rückt Lateinamerika wieder ins touristische Rampenlicht. Europa ist den einkommensstarken Lateinamerikanern (A- und B-Schicht) meist eine längere Rundreise von zwei bis vier Wochen wert, die sie zu den kulturellen und historischen Highlights und damit vorrangig in die Städte führt. Auf ihren Streifzügen durch Europa verbringen Lateinamerikaner durchschnittlich 2,2 Tage in Österreich - und liegen damit im Vergleich zur Durchschnitts-Aufenthaltsdauer von Gästen anderer Fernmärkte eher im "oberen Bereich." Wien ist dabei mit Abstand die meist besuchte Station Österreichs vor Salzburg und Innsbruck.
Eine Rundreise nach Europa wird in der Regel langfristig geplant und gilt vielen lateinamerikanischen Reisenden nach wie vor als Erfüllung eines Lebenstraums. Das Reisebüro und das Internet dienen dabei als wichtigste Info-Quellen. In Argentinien und Brasilien zeichnet sich auch ein Trend zur Direktbuchung (teils auch online) beim Reiseanbieter sowie bei den Fluglinien ab. Die wenig auslandsreiseerfahrenen Gäste aus Mexiko und Chile buchen zum Großteil Gesamtpakete über Reisebüros, aber auch hier ist das Internet zumindest als Infoquelle im Vormarsch. In Chile und Brasilien bieten darüber hinaus große Kaufhausketten Rundreise-Packages an.
Die Mehrheit der Lateinamerikaner fliegt im europäischen Sommer auf einen Mix aus kulturellen Highlights und klassischen Österreich-Images. Zudem ist auch die Suche nach den "eigenen Wurzeln" ein wichtiges Motiv für eine Europareise. Zur Marktbearbeitung in Lateinamerika gilt es daher, Kontakte zu den wichtigsten Multiplikatoren – den Reiseveranstaltern bzw. den Reisebüros – zu knüpfen, die Österreich als Station in ihre Touren aufnehmen. Die Stoßrichtung des ÖW-Marketings in Mexiko, Argentinien, Brasilien und Chile bestimmen die zentralen Themen Stadt, Kultur, Shopping, Kulinarik, Sightseeing und Musik.
Israel: Last minute abheben
Israel darf als Herkunftsmarkt keineswegs unterschätzt werden. In den letzten Jahren konnte das Urlaubsziel Österreich eine enorme Steigerungsrate verzeichnen. Rosige Aussichten für das Incoming aus Israel lassen sich aus dem stetig wachsenden Auslandsreisevolumen der letzten fünf Jahren ablesen. Mit einer Auslandsreise verbinden Israelis die Gelegenheit, dem stressigen Alltag in ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Die guten Flugverbindungen beflügeln die Lust der Israelis auf Österreich.
Während der israelische Tourist noch vor 15 Jahren bevorzugt in der Gruppe nach Europa flog, tritt er heute am liebsten (70 Prozent) eine Europa-Individualreise an. In Sachen Informationsbeschaffung spielt das Internet – in erster Linie die großen israelischen Reiseplattformen Barak, Bezeq International, Golden Lines, Internet Gold und Netvision – eine bedeutende Rolle ebenso wie die Reiseberichterstattung in den Medien. Der Großteil der Buchungen läuft zur Zeit noch über Reisebüros oder -veranstalter. Als Urlaubshochsaison gelten die israelischen Sommerferien sowie die jüdischen Feiertage. Last-Minute zu buchen und auf das Preis-Leistungsverhältnis zu achten, liegt bei den israelischen Urlaubern im Trend ebenso wie Flug-Kurzreisen in europäische Städte.
Kultur, Naturerlebnis und Wintersport stellen die drei Säulen der ÖW-Kommunikation auf dem Markt Israel. Beim Thema Kultur spielen Museums-, Opern- und Konzertbesuche, Sightseeing und Kulinarik in Form von Wein- und Gourmetreisen eine zentrale Rolle. Zum Naturerlebnis zählen die Erholung in einer intakten Umwelt sowie die Schönheit der Landschaft: Hinzu kommen geschätzte Werte wie Gastfreundlichkeit sowie Sicherheit des Gastgeberlands.
Die Besserverdiener leisten sich in jüngster Zeit zunehmend einen Skiurlaub in Österreich, das sich von den starken Konkurrenzdestinationen Frankreich und der Schweiz durch sein Aprés Ski-Qualitäten abheben kann. Das rot-weiß-rote Angebot punktet in erster Linie bei israelischen Familienurlaubern, Paaren zwischen 45 und 60 und Golden Agers (ab 60). Gutes Englisch, koscheres Essen sowie hohe Hygienestandards ebnen den Weg zum israelischen Gast.
Südafrika: Heiß auf Schnee
Die günstige Wirtschaftslage und das stetig steigende Einkommen der Mittelschicht begünstigt die Reiseintensität der Südafrikaner. Da bisher nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung reiste bzw. ins Flugzeug stieg, gilt es speziell für Europa künftig einiges Potenzial auszuschöpfen. Die Südafrikaner liegen mit einer hohen durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 4,1 Nächten in heimischen Gästebetten vor allen anderen Fernmärkten.
Zur Hauptferienzeit von Anfang Dezember bis Anfang Jänner zieht es die meisten Südafrikaner nach "Good old Europe" zu Sightseeing Tours, individuellen Reisen, Flusskreuzfahrten oder zum Skiurlaub. Für die Trips Richtung Übersee bevorzugt der Großteil noch die Dienste eines Reisebüros. Eine Urlaubsbuchung erfolgt auf Grund der knappen Flugkapazität schon etwa ein halbes Jahr im Voraus. Mit Ausnahme des Kulturspots Wien steht Österreich in Südafrika hauptsächlich für eine Urlaubsform, nämlich den Skiurlaub. In Sachen Wintersport heißen die Konkurrenten der österreichischen Alpen Schweiz, Frankreich und Italien. Bezieht der südafrikanische Gast einmal für einen Schneeurlaub in Österreich Quartier, beschert er der Wirtschaft eine hohe Wertschöpfung durch seine hohe Ausgaben im "Winter Wonderland" sowie die Inanspruchnahme von Skiverleih, -schule und Co.
Die ÖW konzentriert sich bei der Bearbeitung des Marktes Südafrika auf die Themen Bewegung/Sport (Winterurlaub) sowie Kultur. Im Fokus der Aktivitäten stehen die A- und B-Einkommensgruppen, der Incentive-Markt sowie Jugendgruppen. Da das Gros der Buchungen über das Reisebüro erfolgt, setzt die ÖW auf die Betreuung von Reiseveranstaltern und Agents.
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Text: Alexandra Gruber
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04.04.2008
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